Pichl, Alois Ludwig (Luigi) (1782-1856), Architekt

Pichl Alois Ludwig (Luigi), Architekt. * Mailand (?), 1782; † Wien, 19. 5. 1856. Sohn eines Musikers; stud. fünf Jahre an der Wr. Akad. der bildenden Künste und errang 1802 den 1. Preis der Architekturkl. P.s prakt. Architektentätigkeit scheint sich zunächst ausschließlich auf Bauführungen im Dienst der Familie Modena-Este (ab 1803) erstreckt zu haben. Mitgl. der Akad. in Rom. P.s Œuvre ist zum größten Tl. noch. völlig unbearbeitet. Seine wenigen bisher bekannten und erhaltenen Werke zeigen ihn als Vertreter der von Italien inspirierten Richtung. Er trug auch bei seinen späteren Bauten einen zu Beginn des Jh. ausgeprägten Neoklassizismus bis in das 2. Viertel des 19. Jh. hinein und verlieh ihm dabei zuweilen einen Zug ins Monumentale. Hervorragende Beispiele dafür sind das Gebäude der Ersten österr. Spar-Casse und der schon 1832 in Plänen fixierte Umbau des Niederösterr. Landhauses. Der strenge Aufbau aus rein tekton. bewältigten Massen distanzierte seinen Stil deutlich von dem seines künstler. Antipoden Kornhäusel (s. d.).

W.: Gartenpalais Modena mit Kapelle, 1806–10 (Beatrixg., Wien III., abgetragen); Umbau des Palais Modena, 1811–14 (Herreng., Wien I., heute Bundesmin. für Inneres); Umgestaltungsprojekt für das Haus der Laune, 1812 (Laxenburg, NÖ); Friedensdenkmal, 1815 (Franzensberg, Brünn, ČSSR); Entwurf für das Burgtor, 1817/18 (Wien I.); Entwürfe für den Ausbau des Schlosses Bánffy, nach 1831 (Bonchida, Rumänien, nur Kapelle ausgeführt); Villa Wertheimstein (Arthaber), 1834/35 (Döblinger Hauptstr., Wien XIX.); Erste österr. Spar-Casse, 1834/35 (Graben, Wien I.); Hofopernhaus- und Stadterweiterungsprojekte, 1835 und 1850; Planung des Skarbek-Theaters, 1837–42 (Lemberg, USSR); Neubau des Niederösterr. Landhauses, 1837–48 (Herreng., Wien I.); Projekt für St. Johann Nepomuk. 1838 (Praterstr., Wien II.); Pfarrkirche, 1838–41 (Enying, Ungarn); Stadtentwicklungsplan für Wien-Favoriten, 1839; Plan des Ständehauses in Pest, 1844; Schloßumbau für Gf. Keglevich, 1845 ff. (Velke Uherce, ČSSR); Glashaus und Badezimmer (Schloß Rappoltenkirchen, NÖ); Festdekorationen und Illuminationen; Trauergerüste; etc.
L.: A. Trost, Wr. Triumphbogen und Trauergerüste auf Stichen, in: Mitt. der Ges. für vervielfältigende Kunst (= Beilage zu Graph. Künste 23), 1900, S. 11; W. Mayer, Die städt. Entwicklung Wiens in der franzisko-josephin. Zeit, in: Wr. Geschichtsbll. 29, 1974, S. 273 ff.; B. Komarik, Die Entwurfskonkurrenz für das Pester Ständehaus vom Jahre 1844, in: Acta technica Academiae scientiarum Hungaricae 77, 1974, S. 1 ff.; Thieme–Becker; Kat. Gilhofer & Ranschburg, Wien 72, 1904, 94, 1910; R. Feuchtmüller, Das Niederösterr. Landhaus, ein kunsthist. Denkmal 1513–1850, 1949, S. 31 f.; M. Mojzer, Werke dt. Künstler in Ungarn, Bd. 1 (Architektur), 1962; R. Wagner-Rieger. Wiens Architektur im 19. Jh., 1970, s. Reg.; H.-Ch. Hoffmann–W. Krause–W. Kitlitschka, Das Wr. Opernhaus (= Die Wr. Ringstraße 8/1), 1972, s. Reg.; Klassizismus in Wien – Architektur und Plastik. Kat. der 56. Sonderausst. des Hist. Mus. der Stadt Wien, 1978.
(G. Rizzi)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 8 (Lfg. 36, 1979), S. 51
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