Pierling, Jakob (1784-1870), Ordensmann

Pierling Jakob, SJ, Ordensmann. * St. Petersburg (Leningrad), 28. 5. 1784; † Rom, 10. 4. 1870. Sohn eines aus Bayern stammenden Kaufmannes; trat 1803 in Dünaburg (Daugavpils) in das Noviziat der Jesuiten ein, stud. 1805–11 in Polock Phil. und Theol., 1810 Priesterweihe und Dr. theol. Ab 1811 war er Prof. an der Akad. in Polock und 1813–20 Regens des Adeligenkonviktes. Nach der Ausweisung der Jesuiten aus Rußland (1820) unterrichtete er am Gymn. in Tarnopol (Ternopiľ), dessen Rektor er 1829 wurde. 1831 wurde er zum Provinzial der Galiz. Ordensprovinz ernannt. Während seiner Amtszeit faßte der Orden auch in Österr. wieder Fuß. P. förderte das bereits 1829 begonnene Noviziat in Graz und gründete die Kollegien in Linz und Innsbruck. 1838 wurde er Vizedir. des Kollegs Linz-Freinberg und Vizeprovinzial der Provincia Austriaco-Galiciana. 1843–46 fungierte er als Provinzial der ganzen Provinz und 1846–50 als Provinzial der nunmehr selbständigen Provincia Austriae. 1850–70 wirkte er als Dt. Ass. und leitete bis 1853, während der Krankheit des Ordensgen., die gesamte Ges. als Gen. Vikar. In dieser Position trug P. entscheidend zum Wiederaufbau des Ordens in Österr., Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden bei.

W.: Das 40. Regierungsjahr Seiner Majestät des K. v. Österr. Franz I., 1832; Erklärung über die in einem Ministerial-Dekrete vom 7. 5. 1848 enthaltenen Gründe betreffs der Aufhebung der Ges. Jesu in den k. k. österr. Staaten, 1848. Neubearb.: F. v. Spee, Trutz-Nachtigall, 1844. Hrsg.: J. Schega, Verus Jesu Socius, 1838, auch dt.
L.: R. Karlinger, Interessantes von der Familie P., in: Nachrichten der österr. Provinz SJ, Sammelh. 1956, S. 25 ff.; Jesuitenlex.; Kosch, Das kath. Deutschland; Sommervogel; Wurzbach; J. N. Stöger, Scriptores Provinciae Austriacae SJ . . ., 1856; V. de Buck, De pio obitu R. P. J. P. Presbyteri Societatis Jesu et Assistentis Germaniae, 1870; Vorläufige Materialsmlg. für Gedenkbll. „Jesuiten in Österreich“, 1914, S. 28 f.
(A. Pinsker)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 8 (Lfg. 36, 1979), S. 66
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