Pleyel, Ignaz Josef (1757-1831), Komponist, Verleger und Fabrikant

Pleyel Ignaz Josef, Komponist, Verleger und Fabrikant. * Ruppersthal (NÖ), 18. 6. 1757; † Paris, 14. 11. 1831. War das 24. Kind eines Lehrers; erhielt eine vorzügliche musikal. Ausbildung und war – unterbrochen durch eine Italienreise (1769–71) – bis 1772 Klavierschüler Vanhals in Wien. Anschließend war er in Eisenstadt bei J. Haydn fünf Jahre in Lehre und Pension, ab 1777 als Kapellmeister bei L. Gf. Erdődy, der ihm eine Stud.Reise nach Italien finanzierte, wo P. mit den bedeutendsten italien. Musikern zusammentraf. Ab 1781 lebte er wieder in Wien, 1783 wurde er 2., 1789 1. Kapellmeister am Straßburger Münster. Während der Französ. Revolution kam er in Schwierigkeiten, aus welchen er sich durch die Komposition einer Freiheitskantate retten konnte. 1791 kam P. auf Einladung der Ges. der Professional Concerts nach London, wo er als Gegenspieler Haydns die Leitung der Konzerte der Ges. übernahm und von Thomson als Mitarbeiter für dessen Ausgaben schott. Volksliedbearb. gewonnen wurde. Im Zenit seines Ruhmes kehrte er 1792 nach Straßburg zurück, ohne jedoch seinen früheren Posten wieder einnehmen zu können. 1795 ging er nach Paris, wo er 1797 einen eigenen Musikverlag gründete, zu dessen verleger. Leistungen die Standardausgabe sämtlicher Streichquartette und die Taschenpartiturausgaben der Symphonien Haydns zählten. 1807 erweiterte er sein Unternehmen durch die Gründung einer Klavierfabrik, die er 1824 – wie schon 1814 den Verlag – seinem Sohn Camille P. (1788–1855) übergab, der 1834 den Verlag auflöste, um sich ganz der Klaviererzeugung widmen zu können. P., der zu den berühmtesten und beliebtesten europ. Komponisten seiner Zeit zählte, legte das Hauptgewicht seines Schaffens auf das Streichquartett und stand von allen Zeitgenossen Haydn am nächsten. In seinen zumeist dem Zeitgeschmack angepaßten Kompositionen, die eine bes. Vorliebe für spieler. Kontrastgestaltung und angenehm fließende Melodik zeigen, finden sich Sätze voll Charme und Eleganz.

W.: 60 Symphonien; 5 konzertante Symphonien; 8 Instrumentalkonzerte; 60 Streichquartette; zahlreiche Kammermusikwerke; Klavier- und Violinsonaten; Gelegenheitsmusik (Hymnen etc.); 12 Lieder; etc. Opern: Die Fee Urgèle oder Was den Damen gefällt, 1776; Ifigenia in Aulide, 1785. Publ.: Nouvelle Méthode de Pianoforte, contenant les principes du doigté, 1797.
L.: J. Klingenbeck, Komponist, Verleger, Klavier-Fabrikant. I. P. wurde vor 200 Jahren geboren, in: Neue Z. für Musik, 1957, S. 357 f.; ders., I. P. und die Marseillaise, in: Stud. zur Musikwiss. 24, 1960, S. 106 ff.; ADB; Die Musik in Geschichte und Gegenwart; Eitner; Fétis; Frank–Altmann; Gathy; Grove; Riemann; Schilling; Wurzbach; F. S. Gaßner, Universal-Lex. der Tonkunst, Neuausg. 1849; Nouvelle biographie générale . . . 40, red. von M. Hoefer, 1862; Neues Universal-Lex. der Tonkunst, bearb. und hrsg. von E. Bernsdorf, 2, 1857; W. H. Riehl, Musikal. Charakterköpfe, 8. Aufl., 1, 1899, S. 168 ff.; J. Klingenbeck, I. J. P. und seine Kompositionen für Streichquartett, phil. Diss. München, 1928; E. L. Gerber, Neues hist.-biograph. Lex. der Tonkünstler, hrsg. von O. Wessely, 3, 1966.
(Ch. Harten)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 8 (Lfg. 37, 1980), S. 126
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