Pöhnl, Hans (1849-nach 1913), Schriftsteller, Dramaturg und Regisseur

Pöhnl Hans, Schriftsteller, Dramaturg und Regisseur. * Wien, 3. 5. 1849; † Znaim (Znojmo, Mähren), nach 1913. Entstammte einer begüterten Wr. Bürgerfamilie, die das Schloß Gutenbrunn in Baden b. Wien besaß. Nach anfänglichen techn. Stud. wurde P. Schauspieler und hatte in Deutschland, bes. in Berlin, großen Erfolg. Er mußte aber krankheitshalber seine Bühnenlaufbahn aufgeben und widmete sich in Wien germanist. Stud., bes. zur älteren dt. Literatur. Sein Plan, das von ihm gekaufte Grey-Theater in Wien als Renaissancetheater zu bespielen, scheiterte. 1884 war er als Regisseur und Dramaturg am Carl-Theater tätig. Ab 1889 lebte er auf einem Gut bei Gmunden, dann wegen einer schweren psych. Erkrankung in einem Pflegeheim in der Nähe von Znaim. P., mit R.v. Kralik (s. d.) und Wickenburg befreundet, gestaltete Stoffe aus dem dt. Sagenschatz im Stil des alten Volksschauspiels und nahm den Gedanken der Kunstübung durch Laienspieler um Jahrzehnte vorweg. Da er nicht nur unterhalten, sondern auch belehren und erbauen wollte, überlastete er seine Stücke oft mit Wissensgut, wodurch deren Bühnenwirksamkeit weitgehend beeinträchtigt wurde. Durch seine literarwiss. Arbeiten, in denen er sich als begeisterter Anhänger der Volkskunst zeigte, und durch seine Ideen, u. a. der Verbindung von heidn.-naturreligiösen mit dogmat.-konfessionellen Elementen, schuf er sich viele Gegner.

W.: Dramen: Schopf, 1876; Catilina, 1877; Mauz und Mizi (= Reclams Universal-Bibl. 1184), ca. 1879; Dt. Volksbühnenspiele, 2 Bde., 1887; etc.
L.: Allg. Ztg. (München) vom 17. 10. 1886; Brümmer; Eisenberg, 1893, 1; Giebisch–Gugitz; Kosch; Kosch, Das kath. Deutschland; Kosch, Theaterlex.; Kürschner, 1889 ff.; Leimbach; Nagl–Zeidler–Castle 3–4, s. Reg.; H. Rollett, Neue Beitrr. zur Chronik der Stadt Baden b. Wien 12, 1899, S. 51; R. v. Kralik, Tage und Werke, 1922, S. 92 ff., 120 ff.; K. Sretenovic, H. P. Ein Beitr. zur Geschichte der dt. Volksbühne, phil. Diss. Wien, 1949.
(V. Hanus)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 8 (Lfg. 37, 1980), S. 140f.
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