Pongratz, Josef (1863-1931), Politiker

Pongratz Josef, Politiker. * Eibiswald (Stmk.), 21. 2. 1863; † Graz, 26. 11. 1931. Entstammte einer Arbeiterfamilie; absolv. in Graz die Tischlerlehre, trat 1879 dem Ver. der Tischlergehilfen bei und wurde bald darauf dessen erster sozialdemokrat. Obmann. Als solcher war er ein zäher Verfechter der Einigungsbestrebungen der Arbeiterbewegung. Durch seine Bemühungen erreichten die Sozialdemokraten 1888 die Mehrheit in der neugegründeten Bez.-Krankenkasse, als deren Sekretär (ab 1891) und Dir. (1910–25) er fungierte. 1890 gründete er gem. mit anderen das in Graz erscheinende sozialdemokrat. Organ „Arbeiterwille“. 1900–13 und 1918–24 gehörte P. dem Grazer Gemeinderat, 1907–14 und 1917/18 dem Reichsrat an, bis Februar 1919 war er Mitgl. der provisor. Nationalversmlg. 1918–30 Landeshptm. Stellvertreter. P. bemühte sich vor allem um Reformen auf dem sozialen Sektor (Fürsorge, Jugendamt, Landeskrankenanstalten, Schulen, Wohnungsfürsorge). Durch seine Initiative kamen die Lungenheilstätten Enzenbach und Hörgas in Landesbesitz, die Kinderheilstätte Stolzalpe wurde großzügig zur Sonnenheilstätte ausgebaut. 1931 Ehrenbürger von Graz.

L.: Arbeiterwille vom 28. 11. 1931; Amtsbl. der Landeshauptstadt Graz, 1931, S. 45 f.; A. Wilhelm, Die Reichsrats-Abg. des allg. Wahlrechtes, 1907; F. Freund, Das österr. Abg.Haus . . . (1907–13, 1911–1917), 1907, 1911; M. Schacherl, 30 Jahre steir. Arbeiterbewegung 1890–1920, 1932, s. Reg.; U. Melliwa, Die steir. Abg. im österr. Reichsrat 1907–18, phil. Diss. Graz, 1964; H. Grager, Grazer Lokalgeschichte der Straßennamen, in: Kennen Sie Graz?, 1968, n. 12, S. 3; Y. Bourdet–G. Haupt–F. Kreissler–H. Steiner, Autriche (= Dictionnaire biographique du Mouvement ouvrier international, hrsg. von J. Maitron und G. Haupt, 1), 1971.
(A. Schuller)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 8 (Lfg. 37, 1980), S. 192
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