Praxmarer, Josef (1820-1883), Schriftsteller und Seelsorger

Praxmarer Josef, Schriftsteller und Seelsorger. * Imsterberg (Tirol), 19. 5. 1820; † Kematen (Tirol), 6. 4. 1883. Kleinbauernsohn; war 1840–42 im Kapuzinerkloster in Eppan, stud. 1842/43 an der Univ. Innsbruck Phil., 1843–47 Jus, trat in den Staatsdienst und wirkte als Polizeibeamter in Wien und Trient. Früh verwitwet, stud. er ab 1857 in Brixen kath. Theol., 1859 Priesterweihe. Neben seinem Beruf als Seelsorger entfaltete P. eine eifrige und erfolgreiche Tätigkeit als Volksschriftsteller. In seinen „Bildern aus dem Tiroler Volksleben“ behandelte er volkstümliche Themen und Zeitfragen (wie z. B. die Auswanderung der protestant. Zillertaler 1837, das Jahr 1848, die liberale Schulgesetzgebung) mit kath. konservativer Tendenz. Weite Verbreitung fanden seine originelle Selbstbiographie „Aus den Flegeljahren in die Mannesjahre“ und die Erz. „Die Räuber am Glockenhof“, die in mehreren dramatisierten Fassungen viele Jahre die Tiroler Volksbühne beherrschte. P. war vor Reimmichl der volkstümlichste Erzähler Tirols.

W.: Perpetua oder die afrikan. Märtyrer des 3. Jh. (Roman), 1866; Die Verbrecher der Hochstrasse und Zwei Märtyrer aus Tirol, 1869, Neuaufl. 1915; Aus den Flegeljahren in die Mannesjahre, 1869, Neuaufl. 1925 (autobiograph.); Bilder aus dem Tiroler Volksleben, 4 Bde., 2. Aufl. 1892–1901, 1: Der Auswanderer aus dem Zillerthale, Neuaufl. 1925, 2: Die Pestkapelle im Gaisthale, Neuaufl. 1936, 3: Eine Dörcherfamilie, Neuaufl. 1897, 4: Der Deutschthümler, 2. Aufl. 1901, 5: Der Dorfschulmeister oder Harte Köpfe – weiche Herzen . . ., 1906, Neuaufl. 1925; etc.
L.: Neue Illustrierte Wochenschau vom 18. 5. 1958; Die Heimat (Meran), 1912/13, S. 118; Brümmer; Giebisch–Gugitz; Kosch; Kosch, Das kath. Deutschland; Nagl–Zeidler–Castle 4, s. Reg.; M. Enzinger, Die dt. Tiroler Literatur bis 1900 (= Tiroler Heimatbücher 1), 1929, s. Reg.; M. Schöch, J. P., ein Tiroler Volksschriftsteller, sein Leben und sein Werk, phil. Diss. Innsbruck, 1931.
(K. Paulin)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 8 (Lfg. 38, 1981), S. 248f.
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