Premerstein, Anton von (1869-1935), Altertumswissenschafter

Premerstein Anton von, Altertumswissenschafter. * Laibach (Ljubljana), 6. 4. 1869; † Marburg a. d. Lahn (BRD), 6. 2. 1935. Entstammte der Wippacher Familie Premrou, Sohn eines Verwaltungsbeamten, Großneffe des Schriftstellers A. Grün (s. Auersperg Anton A. Gf.); stud. 1887–1891 klass. Philol. und alte Geschichte an der Univ. Wien, wo er bei Bormann (s. d.) eine gründliche Ausbildung als Epigraphiker erhielt. 1892 Lehramtsprüfung aus klass. Philol. und Dt., 1893 Prom. zum Dr. phil. sub auspiciis imperatoris. 1892–1894 stud. er an der Univ. Wien Jus, 1897 Dr. jur. 1895–1905 an der Wr. Hofbibl. tätig, veröff. P. in dieser Zeit zahlreiche Arbeiten, insbes. zur Geschichte der röm. Donauprovinzen. 1899 Habil. für griech. und röm. Geschichte und Altertumskde. an der Univ. Wien; 1906 erfolgte seine Ernennung zum 2. Sekretär des Österr. Archäolog. Inst. in Athen, 1908 erhielt er Titel und Charakter eines ao. Prof. und wurde 1909 Leiter des Inst. Gem. mit Keil unternahm er mehrere Forschungsreisen in Lydien und Ionien, die die Voraussetzung für die große Ausg. der kleinasiat. Inschriften schufen. 1912–16 o. Prof. der röm. Geschichte und Epigraphik an der Dt. Univ. Prag, 1916–35 o. Prof. der alten Geschichte und klass. Altertumskde. an der Univ. Marburg a. d. Lahn, 1919/20 Dekan. P.s Arbeitsfeld umfaßte alte Geschichte, klass. Philol. und Archäol. einschließlich der Spezialdisziplinen Epigraphik, Hss.Kde. und Papyrol. Im Zuge seiner Arbeiten an den von Ramsay gefundenen Resten des Monumentum Antiochenum konnte er mit seiner von Mommsen abweichenden Ergänzung den für das Verständnis der Prinzipatsidee zentralen Begriff der auctoritas wiedergewinnen. Seinen damit begründeten internationalen Ruf als Erforscher des August. Prinzipats festigte er eindrucksvoll in seinem Hauptwerk, „Vom Werden und Wesen des Prinzipats“, in dem er die polit.-sozialen Wurzeln des Prinzipats in den Vordergrund rückte.

W.: Röm. Straßen und Befestigungen in Krain, gem. mit S. Rutar, 1899; Die Buchführung einer ägypt. Legionsabt., in: Klio 3, 1903; De Codicis Dioscuridei Aniciae Julianae, nunc Vindobonensis Med. Gr. I Historia, Forma, Argumento, in: Dioscurides . . . phototypice editus 1 (= Codices Graeci et Latini photographice depicti, hrsg. von S. de Vries, 10), 1906; Das Attentat der Konsulare auf Hadrian im Jahre 118 n. Chr. (= Klio, Beih. 8), 1908; Berr. über . . . Reise in Lydien . . ., gem. mit J. Keil, in: Denkschriften Wien, phil.-hist. Kl. 53–54, 57, 1908–14; Untersuchungen zur Geschichte des K. Marcus, in: Klio 11–13, 1911–13; Zu den sog. alexandrin. Märtyrerakten (= Philologus, Suppl. 16/2), 1923; Zur Aufzeichnung der Res gestae divi Augusti im pisid. Antiochia, in: Hermes 59, 1924; Vom Werden und Wesen des Prinzipats, hrsg. von H. Volkmann (= Abhh. der Bayer. Akad. der Wiss., phil.-hist Abt., NF 15), 1937; Alexandrin. Geronten vor K. Gaius (= Mitt. aus der Papyrussmlg. der Giessener Univ.Bibl. 5), 1939; mehrere Artikel für RE; zahlreiche Abhh. und Rezensionen in Dt. Literatur-Ztg., Gnomon, HZ, Jahreshe. des Österr. Archäolog. Inst. etc. Hrsg.: Monumentum Antiochenum. Die neugefundene Aufzeichnung der Res gestae Divi Augusti im pisid. Antiochia, gem. mit W. M. Ramsay (= Klio, Beih. 19), 1927; etc.
L.: N. Fr. Pr. vom 13. 2. (Abendausg.) und 5. 3. 1935; H. Volkmann, A. Ritter v. P., in: Jahresber. über die Fortschritte der klass. Altertumswiss. 262, Nekrologe, 1938. S. 73 ff. (mit Werksverzeichnis); Kosch, Das kath. Deutschland; Kürschner, Gel.Kal., 1925–35; SBL; R. v. Premerstein, Zur Biographie von A. v. P., 1973; K. Christ, A. Ritter v. P., in: Marburger Gelehrte in der ersten Hälfte des 20. Jh., hrsg. von I. Schnack, 1 (= Veröff. der Hist. Komm. für Hessen 35), 1977, S. 390 ff.; UA Wien.
(V. Losemann)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 8 (Lfg. 38, 1981), S. 262f.
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