Preussler, Robert; Ps. R. v. d. Iser (1866-1942), Politiker, Journalist und Schriftsteller

Preussler Robert, Ps. R. v. d. Iser, Politiker, Journalist und Schriftsteller. * Antoniwald b. Gablonz (Antonínov, Böhmen), 26. 8. 1866; † Salzburg, 16. 2. 1942. Sohn eines Glashändlers, der sich als Begründer des Arbeiter-Bildungsver. und anderer Volksbildungseinrichtungen im Sudetenland große Verdienste erworben hatte. P. erlernte das Glasbläserhandwerk, bildete sich aber daneben weiter und war schon mit 18 Jahren Lehrer im Arbeiter-Bildungsver. Nach dem Aufruhr der Glasbläser im Isergebirge, der zahlreiche Tote und Verwundete forderte, gründete er 1890 den ersten Verband der Glasarbeiter sowie die Z. „Der Glasarbeiter“, welche 1891 verboten wurde. P. veröff. in der illustrierten Heimatz. „Rübezahl“ Gedichte und andere Beitrr. und wurde von V. Adler (s. d.) aufgefordert, für die „Arbeiter-Zeitung“ zu schreiben. Er war ab 1901 in Wien als Red. gewerkschaftlicher Fachbll. tätig und wurde vom niederösterr. Gewerkschaftskongreß zum Landesvertrauensmann für NÖ gewählt. Ab 1903 lebte P. in Salzburg, gründete 1904 den ersten Arbeiter-Konsumver., erweiterte die sozialdemokrat. Ws. „Salzburger Wacht“ zu einer Tagesztg., betätigte sich in den liberalen Volksbildungsorganisationen und entwickelte starke kulturelle Aktivitäten. Er stand in engem Kontakt mit S. Zweig, Bahr (s. d.), Ginzkey und Paumgartner und gehörte zu den Mitbegründern der Salzburger Festspiele. P. kämpfte vehement um das allg., gleiche und direkte Wahlrecht und konnte weite Kreise des liberalen Bürgertums mitreißen. Er erreichte eine Reform des Gemeindewahlrechts und wurde 1914 als erster und einziger Sozialdemokrat in den Gemeinderat der Stadt Salzburg gewählt, dem er bis 1918 und 1919–21 angehörte. 1919–34 fungierte er als Landeshptm. Stellvertreter, war ununterbrochen auch Salzburger Landtagsabg., 1919 Mitgl der Konstituierenden Dt.österr. Nationalversmlg., 1920–34 im Bundesrat. Nach 1934 lebte er zurückgezogen seinen vielen geistigen Interessen. Durch P.s fruchtbare Zusammenarbeit mit Landeshptm. Rehrl konnten manche für das Land bedeutende Projekte, u. a. der Bau der Großglockner-Hochalpenstraße, verwirklicht werden.

W.: Aus stillen Stunden. Gedichte und Lieder, o. J.; etc. Abhh. in Ztg. und Z.
L.: Knauer; Kosel; S. Großmann, Nordböhm. Arbeiterdichter, in: Oesterr. Arbeiter-Kalender für das Jahr 1901, S. 111; F. Freund, Die Konstituierende Dt.österr. Nationalversmlg., 1919, S. 173; J. Kaut, Der steinige Weg. Geschichte der sozialist. Arbeiterbewegung im Land Salzburg, 1961; 100 Jahre selbständiges Land Salzburg 1861–1961, 1961, S. 97; Werk und Widerhall, hrsg. von N. Leser, 1964; Y. Bourdet–G. Haupt–F. Kreissler–H. Steiner, Autriche (= Dictionnaire biographique du Mouvement ouvrier international, hrsg. von J. Maitron und G. Haupt, 1), 1971; F. Rehrl, Landeshptm. von Salzburg 1922–38, hrsg. von W. Huber, 1975, s. Reg.
(J. Kaut)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 8 (Lfg. 38, 1981), S. 271f.
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