Prutscher, Otto (1880-1949), Architekt und Kunstgewerbler

Prutscher Otto, Architekt und Kunstgewerbler. * Wien, 7. 4. 1880; † Wien, 15. 2. 1949. Sohn eines Tischlers; stud. 1895 in Paris und London, 1897–1901 an der Kunstgewerbeschule des Österr. Mus. für Kunst und Ind. in Wien; Schüler von Matsch (s. d.) und J. Hoffmann. 1903 wurde er in Wien Ass. an der Graph. Lehr- und Versuchsanstalt, 1909–14, 1920–38 und 1945/46 war er Prof. an der Kunstgewerbeschule; 1918 Fachinsp. des Fortbildungsschulwesens. P. entfaltete in der Zwischenkriegszeit nach einigen kleineren Aufträgen eine rege Tätigkeit als Architekt. Von größerer Bedeutung waren jedoch seine Arbeiten auf dem Gebiet des Kunstgewerbes. Seine zahlreichen Entwürfe für Möbel, Textilien, Silbergerät, Schmuck, Porzellan, Bucheinbände und Lederwaren zeigen deutlich seine stilist. Zugehörigkeit zur Wr. Werkstätte und auch den Einfluß seines Lehrers Hoffmann. Klare und präzise Formgestaltung, sorgfältig durchdachte, der Funktion der Gegenstände entsprechende, feinfühlige Dekoration zeichnen seine Werke aus. Er versuchte, die Idee des Gesamtkunstwerkes vor allem im Alltagsbereich zu verwirklichen. 1947 wurde er mit dem Staatspreis der 1. Großen Österr. Kunstausst. in Wien ausgezeichnet. Ausst.: Nachlaß, Heimatmus. Mariahilf, Wien VI., 1980.

W.: Herrenhaus Flemmich (Jägerndorf, österr. Schlesien); Villen Rothberger, Bienenfeld (beide Baden, NÖ); Wohnhaus Wertheim (Mariazell, Stmk.); Landhaus Kapsch (Mitterbach, NÖ); Landhaus Cerny (am Erlaufsee, NÖ); Entwürfe für Inneneinrichtungen, Schmuck, Bucheinbände etc. Gemeindebauten: Heinehof, 1925/26 (Stöberg., Wien V.); Lorenshof, 1927/28 (Längenfeldg., Wien XII.); etc.
L.: Die Presse vom 18. 2. 1949; Die Kunst 42, 1919/20, S. 244 ff.; K. M. Grimme, Zu Arbeiten von O. P., Wien, in: Der getreue Eckart 7, 1929/30, S. 347 ff.; ders., Blume und Plastik, in: Österr. Kunst 2, 1931, H. 4, S. 22 ff.; Die Kunst und das schöne Heim 47, 1949, H. 1, Beilage, S. 2; Kunst ins Volk 1, 1949, S. 192; Thieme–Becker; Vollmer.
(G. Hajós)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 8 (Lfg. 39, 1982), S. 312f.
<=  S. 1 =>
<=  S. 1 =>