Radler, Friedrich Johann von; Ps. X. Flo(c)k (1847-1924), Schriftsteller und Beamter

Radler Friedrich Johann von, Ps. X. Flo(c)k, Schriftsteller und Beamter. * Olmütz (Olomouc, Mähren), 3. 9. 1847; † Wien, 3. 7. 1924. Sohn eines Schauspielerehepaars; durch den Vater, der auch Provinzbühnen leitete, hatte R. schon in seiner Kindheit Beziehung zum Theater und trat als Schüler in kleineren Rollen auf. 1867–71 stud. R. an der Univ. Wien Jus, 1874 Dr. jur. an der Univ. Graz. Nach zweijähriger Praxis beim Kriminal- und Handelsgericht trat er 1872 in den Dienst der Gemeinde Wien. 1896 Magistratsrat, 1907 als Obermagistratsrat i. R. Er begründete und red. ab 1892 das Amtsbl. der Stadt Wien. Obgleich R., ein enger Freund Glossys (s. d.), stets offen die liberale Richtung vertrat, stand er in hohem Ansehen bei den Wr. Bürgermeistern, so auch bei Lueger (s. d.). Verdienste im sozialen Bereich erwarb er sich u. a. als Verwalter der Beckmann-Stiftung, einer Hilfsorganisation für bedürftige Bühnenangehörige. Neben seiner Beamtentätigkeit trat R. als äußerst produktiver Schriftsteller hervor, dessen Stärke jedoch weniger in der Prosa als auf dem Gebiet des heiteren und volkstümlichen Dramas lag. Seine umfangreichen Kenntnisse aus der Wr. Lokal- und Theatergeschichte, sein Einfühlungsvermögen in die Personen und Ereignisse, die er als Sujet wählte, sowie geschickter Einsatz des Wr. Dialekts bewirkten das Lokalkolorit seiner Stücke. Trotz zeitweiser Längen verstand R., Handlung und Dialog dramat. wirksam aufzubauen. Die nach seiner Erkenntnis in der Dichtung liegende Erziehungsaufgabe manifestiert sich in der Darstellung echter Berufung und in der charakterlichen Vorbildlichkeit des Protagonisten (J. Lanner, J. Haydn). Seine Schwänke und Volksschauspiele wurden z. Tl. Zugstücke sowohl auf Kleinstadtbühnen wie auf Wr. Vorstadtbühnen – sein Genrebild „Josef Lanner“ etwa erlebte in Wien rund 255 Aufführungen. Großen Erfolg hatten auch die von ihm für die Ausst. für Musik- und Theaterwesen (Wien 1892) bearb. Hanswurstpossen. R.s Sohn, Friedrich R. (1876–1942), war Blumen- und Bildnismaler in Wien.

W.: Hanswurst, seine Ahnen und Erben, 1892; Lachtauben, 1910; etc. Dramen: Er ist fehlbar (= Wr. Theater-Repertoir 275), 1872; Josef Lanner (= Neues Wr. Theater 106), 1880; Joseph Haydn, 1887 erstaufgef.; Der Wiener. Hanswurst (7 Hanswurstiaden), 1894; Charley’s Onkel, 1895 erstaufgef.; Das Bucklhaus am Bergl (Ballett-Pantomime), 1900; Der Blitzableiter (= Neues Wr. Theater 156), 1900; Unsere Gusti, 1900 erstaufgef., auch tschech.; Die Türken vor Wien, 1903; Bora, 1905; etc. Zahlreiche Beitrr. in Z. und Ztg., bes. Fliegende Bll. (München), Meggensdorfer’s Humorist. Bll., und in: Wr. Stadt, 1895. Red.: Amtsbl. der k. k. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien 1–16, 1892–1907.
L.: N. Fr. Pr. und Wr. Ztg. vom 4., N. Wr. Tagbl. vom 5. und 6. 7. 1924; Brümmer; Eisenberg, 1893, Bd. 1; Giebisch–Gugitz; Kosch; Kosch, Theaterlex.; Kosel 1; Nagl–Zeidler–Castle 2–4, s. Reg.; L. Gottsleben, 50 Jahre Komiker, 1910, S. 48 ff.; H. Kraus, Dr. F. J. v. R., phil. Diss. Wien, 1948.
(V. Hanus)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 8 (Lfg. 39, 1982), S. 378f.
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