Rafael, Franz X. (1816-1867), Dirigent und Komponist

Rafael Franz X., Dirigent und Komponist. * Troppau (Opava, österr. Schlesien), 12. 2. 1816; † Graz, 19. 4. 1867. Sohn des Sängers, Komponisten und Musikpädagogen Karl Franz R. (1795–1864); erhielt den ersten Musikunterricht von seinem Vater und dem Domorganisten Schnabel in Breslau (Wrocław). R. war zunächst Chordirigent in Breslau, dann in Brünn (Brno). 1839 ging er als Kapellmeister nach Olmütz (Olomouc), 1840 wieder nach Brünn. Nach einem weiteren Engagement in Olmütz (1843/44) wurde er Kapellmeister am Nationaltheater in Innsbruck, wo er auch 1846–52 als Dirigent der Schützenmusikkapelle wirkte. Als der k. Hof 1848 nach Innsbruck geflüchtet war, gab R. dem Erzh. Franz Joseph (s. d.), dem späteren K., Musikunterricht. 1852 ging R. als Kapellmeister an das Landständ. Theater in Linz, 1855 an die Vereinigten dt. Theater in Pest (Budapest). Als Kapellmeister (ab 1857) am Ständ. (später Landschaftlichen) Theater in Graz – 1864–68 auch am Thaliatheater, wo bis 1866 Millöcker (s. d.) sein Kollege war –, vor allem aber als Chormeister (u. a. des Grazer Männer-Gesang-Ver.) machte sich R. um das Musikleben der Stadt hochverdient. Von seinen Kompositionen wurde bes. das Lied „Deutschland sei einig“ (aus der Oper „Heinrich der Finkler“) bekannt, seine Oper „Wittekind“, die er 1860/61 in Olmütz während einer Unterbrechung seines Grazer Wirkens vollendet hatte, wurde 1861 in Graz mit Erfolg uraufgef. Das Genre der Operette jedoch entsprach seinen Fähigkeiten weniger.

W.: Opern: Das Forsthaus, 1838; Der Siebenjährige Krieg, 1848; Heinrich der Finkler, 1860; Wittekind, 1861. Operetten: In der Spinnstube, 1864; Burschenschwänke (auch unter den Namen Burschen Streiche, Studentenstreiche, Bursche unter dem Leder aufgef.), 1865; etc. Messe C-Dur, Manuskript, Archiv des Domchors, Graz.
L.: Telegraf und Tagespost (beide Graz) vom 20. 4. 1867; Fremden-Bl. vom 27. 8. 1867; Almanach für Freunde der Schauspielkunst . . ., 1837–53; Dt. Bühnen-Almanach, 1854–67; Kosch, Das kath. Deutschland; Pougin; Suppan; Wurzbach; Der Grazer Männer-Gesang-Ver. in den Jahren 1846–96, 1896; A. Bauer, Opern und Operetten in Wien (= Wr. musikwiss. Beitrr. 2), 1955, s. Reg.; H. Egger, Geschichte des Innsbrucker Schützenwesens 1814–70 (= Veröff. des Innsbrucker Stadtarchivs, NF, 8/9), 1978, s. Reg.; Mitt. W. Suppan, Graz.
(H. Reitterer)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 8 (Lfg. 40, 1983), S. 386f.
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