Rank, Josef; Ps. J. K. Willibald (1816-1896), Schriftsteller und Journalist

Rank Josef, Ps. J. K. Willibald, Schriftsteller und Journalist. * Friedrichsthal (Chalupy, Böhmen), 10. 6. 1816; † Wien, 27. 3. 1896. Bauernsohn; ursprünglich für den geistlichen Beruf bestimmt, absolv. er 1836–38 an der Univ. Wien die philosoph. Jgg., stud. ab 1841 kurze Zeit Jus und war daneben als Hofmeister tätig. R.s erste Publ. finden sich im „Oesterreichischen Morgenblatt“. Von Frankl-Hochwart (s. d.) ermuntert, versuchte sich R. an Schilderungen aus dem Volksleben seiner Böhmerwaldheimat. Er trat in engen Kontakt zu den bedeutenden literar. Talenten Wiens und wurde in die jungösterr. Bewegung hineingezogen, was zu Schwierigkeiten mit der Zensur führte. 1845 war er einige Zeit in Leipzig, wo er u. a. mit Auerbach Freundschaft schloß. 1848 entfaltete R. u. a. als Angehöriger der Wr. Studentenlegion, im Ver. der Sudetendt. sowie als Mitarbeiter von „Schwarz-Roth-Gold“, insbes. aber als verantwortlicher Red. des von ihm mitbegründeten „Volksfreundes“ eine weitgespannte Tätigkeit. In das Frankfurter Parlament entsandt, nahm er eine gemäßigte liberale Haltung ein. Er schloß Freundschaft mit Uhland und verkehrte im Kreis um Kerner und Schwab. Er lebte dann u. a. in Frankfurt a. M., Weimar (Begründer und 1855 einige Monate Hrsg. des „Weimarer Sonntags-Blattes“) und Nürnberg (1859/60 Red. des „Nürnberger Kurier“). 1861 wurde R. Mitred. der „Oesterreichischen Zeitung“ in Wien, 1862 provisor., 1865–74 w. Dion.Sekretär der Wr. Hofoper, daneben hielt er Vorträge über Ästhetik und Geschichte an der Hofopernschule. 1876–78 wirkte R. als Gen. Sekretär am Wr. Stadttheater unter H. Laube (s. d.). Nachdem er sich in Görz von einem Nervenleiden erholt hatte, war er 1882 und 1883 verantwortlicher Red. der von Anzengruber (s. d.) hrsg. belletrist. Z. „Die Heimat“, für die er auch schon vorher Beitrr. verfaßt hatte. R. führte durch seine Heimatgeschichten den „Böhmerwäldler“ in die Literatur ein und leistete, indem er die Sitten und Gebräuche seiner Heimat aufzeichnete, einen wesentlichen Beitr. zur Volkskde. Er verfaßte auch interessante Lebenserinnerungen.

W. (z. Tl. mehrmals aufgelegt): Aus dem Böhmerwalde, 1843, 2. erweiterte Aufl., 3 Bde., 1851; Vier Brüder aus dem Volke, 2 Tle., 1844; Waldmeister, 3 Bde., 1846; Eine Mutter vom Lande, 1848; Moorgarden, 1851; Die Freunde, 2 Bde., 1854; Schillerhäuser, 1856; Aus meinen Wandertagen, 1864; Burgei oder Die drei Wünsche, 1865; Heidenglück (Drama), 1865; Stein-Nelken. Bilder aus dem Stadt- und Volksleben, 1867; Erinnerungen aus meinem Leben (= Bibl. Dt. Schriftsteller aus Böhmen 5), 1896, 2. Aufl. 1929; Aus dem Böhmerwalde und Volkskundliche Beitrr. aus R.s übrigen Werken, neu hrsg. von K. Wagner (= Beitrr. zur dt.-böhm. Volkskde. 12), 1917 (mit Einleitung); etc. Ausgewählte Werke, 15 Bde., 1859–63. Nachlaß, Hss.Smlg., Wr. Stadt- und Landesbibl., Wien.
L.: N. Fr. Pr. vom 28. 3. 1896 (Abendausg.); A. John, Der Böhmerwald in Literatur und Kunst, in: Dt. Arbeit 1, 1901/02, S. 726 ff.; J. Blau, Aus R.s Heimat, in: Unser Egerland 9, 1905, S. 55 ff.; K. Wagner, J. R.s „Aus dem Böhmerwalde“, in: Jahresber. des k. k. Staats-Gymn. . . . in Prag-Neustadt . . ., 1912; ders., Zu J. R.s 100. Geburtstag, in: Dt. Arbeit 15, 1915/16, S. 597 ff.; A. Ernstberger, J. R. in Zensurhaft, Prag 1844, in: Stifter-Jb. 7, 1962, S. 113 ff.; ADB 53; Biograph. Jb. 1, 1897, S. 448; Brümmer; Eisenberg, 1893, Bd. 1; Giebisch–Gugitz; Kosch; Kosch, Das kath. Deutschland; Nagl–Zeidler–Castle 2–4, s. Reg.; Wurzbach; K. Pröll, J. R., der Erzähler des Böhmerwaldes (= Smlg. Gemeinnütziger Vorträge 168), 1892; P. Meßner, Drei dt. Böhmerwalddichter, 2. Aufl. 1902, S. 37 ff.; A. D. Schrag, Situation und Charaktere in der Dorfgeschichte bei Immermann, Auerbach, R. und Gotthelf, phil. Diss. Baltimore, 1908; A. Pillgrab, J. R.s Bedeutung für die Volkskde. des Böhmerwaldes, phil. Diss. Wien, 1935; W. Gulhoff, Das Böhmerwaldbauerntum in den Werken J. R.s (1816–96), phil. Diss. Breslau, 1938; UA, Haus-, Hof- und Staatsarchiv, beide Wien.
(L. Mikoletzky)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 8 (Lfg. 40, 1983), S. 414f.
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