Ranzenberger (Ranzenberg), Hugo (1852-1896), Schauspieler und Regisseur

Ranzenberger (Ranzenberg) Hugo, Schauspieler und Regisseur. * Ofen (Budapest), 13. 9. 1852; † Wien, 21. 9. 1896. Nahm dramat. Unterricht in Wien an der Theaterakad. Kierschners (s. d.) und bei Treumann. 1871 schloß er sich einer reisenden Theatertruppe an, im selben Jahr debut. er in Pola (Pula). Nach verschiedenen Engagements vornehmlich an Provinzbühnen wurde R. 1875 von H. Laube (s. d.) an das Wr. Stadttheater verpflichtet, dem er – mit Unterbrechung – fast zehn Jahre lang angehörte. Nach kurzem Engagement an anderen Wr. Bühnen (Carltheater und Theater a. d. Wien) ging R. über Prag (1885 am Dt. Kgl. Landestheater für das Fach des ersten Helden und Liebhabers verpflichtet) nach Berlin und wirkte dort am Ostendtheater, Berliner Theater und – ab 1889 – am Lessingtheater, wo er durch drei Jahre den Typus des edlen, leidenschaftlichen Liebhabers verkörperte. Durch seine Darstellung des Heinecke in Sudermanns „Die Ehre“ (1889) trug er zum Erfolg dieses Stückes wesentlich bei. Zweimal unternahm er in diesen Jahren auch Gastspielreisen in die USA. R. war dann kurze Zeit bei Hofpauers „Münchnern“, schließlich als Schauspieler (als solcher wechselte er nun ins ältere Rollenfach über) und Regisseur (vor allem auf dem Gebiet des Lustspiels) am neugegründeten Raimundtheater in Wien tätig. Nach Müller-Guttenbrunns (s. d.) Abgang gehörte R. dem Regiekollegium an, das eine Zeitlang interimist. das Theater leitete.

Hauptrollen: Hamlet (W. Shakespeare, Hamlet); Posa (F. v. Schiller, Don Carlos); v. Walter (ders., Kabale und Liebe); Tell (ders., Wilhelm Tell); Wimar Knecht (E. v. Wildenbruch, Das neue Gebot); Pierre Clémenceau (A. Dumas – A. d’Artois, Der Fall Clémenceau); Heinecke, Gf. v. Trast-Saarberg (H. Sudermann, Die Ehre); Flottwell (F. Raimund, Der Verschwender); Astragalus (ders., Der Alpenkg. und der Menschenfeind); etc. – Inszenierungen: J. Rosen, Barfüßige Fräulein; etc.
L.: N. Fr. Pr. vom 21. (Abendausg.) und 22. 9. 1896; Fremden-Bl., N. Wr. Tagbl. und N. Wr. Journal vom 22. 9. 1896; Dt. Bühnen-Almanach, 1873–92; Neuer Theater-Almanach, 1893–97; Biograph. Jb. 1, 1897, S. 342 f.; Eisenberg; Kosch, Theaterlex.; O. Teuber, Geschichte des Prager Theaters 3, 1888, S. 808, 810; A. Gerstner, A. Müller-Guttenbrunns Bemühungen als Theaterdir., phil. Diss. Wien, 1946, S. 32, 43, 46, 75, 80 f., 86 f., 90, 94, 109, 240; J. Wilcke, Das Lessingtheater in Berlin unter O. Blumenthal (1888–98), phil. Diss. Berlin, 1958, S. 95 f., 124; E. Breslmayer, Die Geschichte des Wr. Raimundtheaters von 1893–1973, 1–2, phil. Diss. Wien, 1975; Wr. Stadt- und Landesarchiv, Wien; Mitt. Ch. Gugg, Wien.
(U. Riss)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 8 (Lfg. 40, 1983), S. 417
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