Rauscher, Jakob (Wilhelm) (1800-1866), Sänger

Rauscher Jakob (Wilhelm), Sänger. * Wilfersdorf (NÖ), 13. 4. 1800; † Stuttgart (BRD), 16. 11. 1866. Ursprünglich für den Lehrberuf bestimmt, wandte er sich jedoch, von J. Drechsler (s. d.) und Schwarzböck zum Sänger ausgebildet, der Bühnenlaufbahn zu und debut. nach Choristentätigkeit am Leopoldstädtertheater 1821 am Theater a. d. Wien als Ramiro. 1822 wurde er von Barbaja ans Kärntnertortheater verpflichtet und gehörte dort bis 1825 sowohl der dt. als auch der italien. Opernges. als Tenorist an. In dieser Zeit schloß er nähere Bekanntschaft mit Schubert und wirkte einige Male bei Aufführungen von dessen Vokalquartetten mit. 1825 ging R. nach Italien (bes. Mailand und Venedig), wo er sich neben den berühmtesten Vertretern des italien. Operngesanges erfolgreich behaupten konnte. 1826–37 wirkte er als 1. Tenorist am Hoftheater Hannover, dann bis 1840 am Mannheimer, schließlich bis zu seiner Pensionierung (1860) am Stuttgarter Hoftheater. Dazwischen absolv. er zahlreiche Gastspielreisen. 1852 Kammersänger, gab er auch Gesangunterricht, u. a. an der Stuttgarter Theaterschule. R. wurde bes. wegen seiner Darstellungskunst gerühmt. Sein Hauptgebiet waren die virtuosen Tenorpartien Rossinis, Bellinis, Donizettis (s. d.) und Aubers, in späteren Jahren übernahm er auch Rollen des dramat. Faches.

Hauptrollen: Ramiro (N. Isouard, Aschenbrödel); Othello (G. Rossini, Othello); George Brown (F. A. Boiëldieu, Die weiße Dame); Max (C. M. v. Weber, Der Freischütz); Tamino (W. A. Mozart, Die Zauberflöte); Eleazar (J. Halévy, Die Jüdin); Masaniello (D. F. E. Auber, Die Stumme von Portici); Pollione (V. Bellini, Norma); Tonio (G. Donizetti. Die Rgt. Tochter); etc.
L.: (Wr.) Allg. Theaterztg. . . . vom 17. 3. 1821 und 25. 6. 1834; Allg. Ztg. (Augsburg) und N. Fr. Pr. vom 20., Wr. Ztg. vom 22. 11. 1866; Bernsdorf; Fétis; Kosch, Das kath. Deutschland; Kosch, Theaterlex.; Schilling; Wurzbach; F. S. Gassner, Universal-Lex. der Tonkunst, Neuausg. 1849; A. Palm, Briefe aus der Bretterwelt, 1881, s. Reg.; R. Krauß, Das Stuttgarter Hoftheater von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart, 1908, s. Reg.; O. E. Deutsch, Schubert. Die Dokumente seines Lebens (= F. Schubert. Neue Ausg. sämtlicher Werke, Ser. VIII, Suppl. 5), 1964, s. Reg.; Stadtarchiv Stuttgart, BRD.
(C. Höslinger)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 8 (Lfg. 40, 1983), S. 441f.
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