Reich, Leon (1879-1929), Zionist und Jurist

Reich Leon, Jurist und Zionist. Drohobycz (Galizien), 11. 6. 1879; Lemberg (L’viv), 1. 12. 1929. Stud. 1897–1905 an der Univ. Lemberg und 1908–12 an der École des Sciences politiques in Paris Jus (Dr. jur.). Er betätigte sich schon früh in der zionist. Bewegung und gründete als Student den ersten zionist. Studentenver. Galiziens. 1907–14 red. er die zionist. Ws. in poln. Sprache „Wschod“. Ab 1911 vertrat er die Zionisten Galiziens bei den Zionistenkongressen, ab 1913 war er auch Mitgl. des zionist. Aktionskomitees und u. a. Leiter des Lemberger Palästinabüros. Während des Ersten Weltkrieges war er in der Militärgerichtsbarkeit, u. a. in Graz und Lemberg, tätig. 1918 wurde er Präs. des Jüd. Nationalrates für Ostgalizien und beteiligte sich in Paris an den Arbeiten des Comité des Délégations Juives auprès de la Conférence de la Paix, welches die Aufgabe hatte, die Minderheitenrechte derjüd. Bevölkerung in den Nachfolgestaaten der Österr.-ung. Monarchie zu sichern. Ab 1919 fungierte er als Vorsitzender des zionist. Landesverbandes für Ostgalizien, ab 1922 als Abg. zum Sejm (Vertreter der Zionisten Ostgaliziens), 1924–26 als Präs. des Klubs der jüd. Abg. im Sejm, in welcher Funktion er die sog. poln.-jüd. Verständigung abschloß. 1929 wurde er Mitgl. des Administrativkomitees der Jewish Agency for Palestine. R. widmete sein ganzes Leben dem Zionismus und vertrat seine Ansichten in zahlreichen Aufsätzen in Ztg. und Z., meist in poln. Sprache.

W.: La Situation des Juifs en Pologne et leurs revendications, in: Les Droits nationaux des Juifs en Europe Orientale, 1919; zahlreiche Abhh. in Z. und Ztg. Hrsg.: Les Droits nationaux des Juifs en Europe Orientale, 1919.
L.: Jüd. Rundschau (Berlin) vom 3., Die Neue Welt (Wien) vom 6. 12. 1929; Ha’Olam vom 3. 1. 1930; Enc. Jud.; Jüd. Lex.; Universal Jew. Enc.; Wininger; I. Zineman, In Gerangel, 1952; N. M. Gelber, Toledot ha-Tenuah ha-Ziyyonit be-Galizyah 1875–1918, 1–2, 1958, s. Reg.; A. Gaisbauer, Zionismus und jüd. Nationalismus in Zisleithanien (1882–1918), phil. Diss. Wien, 1981, s. Reg.
(I. Philipp)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 9 (Lfg. 41, 1984), S. 25f.
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