Reichel, Karl Anton (1874-1944), Graphiker und Maler

Reichel Karl Anton, Graphiker und Maler. * Wels (OÖ), 5. 4. 1874; † Wien, 25. 10. 1944. Bruder des Hygienikers Heinrich R. (s. d.); stud. an den Univ. Prag (1894–95), Wien (1895–1902, mit Unterbrechungen) und München (1896) Med., wandte sich dann der Psychiatrie, Psychol., Kunstgeschichte, Indol. etc. zu und bildete sich –vor allem in Paris – weiter. Nach frühen Holzschnitten – von denen kolorierte Akte bes. Anklang fanden – widmete sich R., als Graphiker Autodidakt, ab 1913 fast ausschließlich der Radierung und schuf in wenigen Jahren ein Œuvre von ca. 300 Werken. Sein bes. Interesse galt den Kulturen Chinas, Indiens und Tibets. R. betätigte sich auch als Kunstsammler und Kunsthändler. Weitgereist und hochgebildet, war er u. a. Berater von Kronprinz Rupprecht v. Bayern und Freund des Schriftstellers Hammerstein-Equord (s. d.). R. war zuerst in Großgmain ansässig, lebte dann in Salzburg (er wohnte zeitweise mit Bahr, s. d., zusammen) und München, wo er vor der nationalsozialist. Machtübernahme Mittelpunkt eines polit. ausgleichenden Kreises war, ab 1933 wieder in Österr., wo er seit 1914 ein Anwesen besaß. Die letzten Lebensjahre verbrachte er in Wien bei der Burgschauspielerin T. van Eyck, mit der er ab 1942 in zweiter Ehe verheiratet war. R. war ein Vorläufer der Wr. Schule des phantast. Realismus. Ausst.: München 1909, Wien 1970, Linz 1976.

W.: Radierungen zu A. Schönberg, Gurrelieder 1–2, 1914 (Neue Galerie der Stadt Linz); Darstellungen von Tänzerinnen, 1914 (Radierungen); 8 Radierungen zu G. Mahler, Das Lied von der Erde, 1920–22 (Oberösterr. Landesmus., Neue Galerie der Stadt Linz, beide Linz); Kronprinz Rupprecht v. Bayern, 1920 (Porträtradierung, Neue Galerie der Stadt Linz); H. Pfitzner, 1944 (Porträtradierung, Oberösterr. Landesmus., Linz); kolorierte Holzschnitte; etc. – Publ.: Von mag. Problemen darstellender Kunst, in: Eos, 1917; Der Graphiker C. A. R. über sich selbst, 1943; etc.
L.: Allg. Kunst-Chronik, NF 17, 1906, S. 214 f.; Die graph. Künste 31, 1908, S. 83; P. Clemen, C. A. R., in: Die Kunst 45, 1922, S. 282 ff.; J. Oberleiner, Der Graphiker K. A. R., in: Kulturnachrichten des Kulturbeauftragten des Gauleiters und Reichsstatthalters in Oberdonau 2, 1943, n. 5, S. 3 f.; C. H. Watzinger, C.A.R.– ein Künstler im Geisteswandel des 20. Jh., in: OÖ 4, 1976, S. 39 ff.; ders., H. v. Hammerst ein und sein Kirchdorfer Kreis, in: Innviertler Künstlergilde, Jb. 1976/77, o. J., S. 3 ff.; H. v. Hammerstein, Besichtigung eines Schlosses, ebenda, S. 10 ff.; G. Wacha, Zu C. A. R. Der Briefwechsel mit Kronprinz Rupprecht v. Bayern, H. Miller und R., in: Kunstjb. der Stadt Linz 1976, 1978, S. 53 ff.; Thieme–Becker; Vollmer; L. Hevesi, Altkunst-Neukunst. Wien 1894–1908, 1909, S. 340 f.; H. W. Singer, Die moderne Graphik, 1914, S. 228 f.; C. A. R. 1874–1944, Graph. Smlg. Albertina, Wien 1970 (Kat.); C. A. R. Ausst. des Stadtmus. Linz im Nordico, Linz 1976 (Kat., mit Werksverzeichnis): H. Miller, Reise in ein altes Land, 1976; P. Baum, K. Brosch (1894–1926), C. A. R. (1874–1944), A. Wach (1892–1940), Neue Galerie der Stadt Linz . . ., Linz 1982, S. 41 ff. (Kat.); UA Wien.
(G.Wacha)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 9 (Lfg. 41, 1984), S. 29f.
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