Reininghaus, Johann Peter von (1818-1901), Fabrikant

Reininghaus Johann Peter von, Fabrikant. * Isenburg b. Kierspe, Nordrhein-Westfalen (BRD), 2. 10. 1818; † Graz, 7. 5. 1901. Sohn eines Hammergewerken, der später Bauer wurde, Schwiegersohn des Industriellen A. I. Mautner v. Markhof (s. d.); besuchte die Gewerbeschule in Hagen, arbeitete dann bei einem Grobschmied und stud. 1838–41 an der Techn. Hochschule in Berlin, insbes. Chemie. Anschließend wurde er Teilhaber einer chem. Fabrik in Berlin, ab 1842 der Chemikalienfabrik Nitschke und R. in Breslau (Wrocław). Nach kurzer Tätigkeit (1852) in einem Zweigbetrieb des St. Marxer Preßhefeunternehmens in Turas (Tuřany) bei Brünn (Brno) kaufte R. 1853 die sog. Königshofer. Brauerei am Mauthaus in Baierdorf (Steinfeld) bei Graz, errichtete gleichzeitig die erste steir. Spiritus- und Preßhefefabrik und erweiterte den Besitz durch eine Likörfabrik. 1854 erhielt er ein förmliches Landesbetriebsbefugnis zur Erzeugung von Spiritus, Likör, Essig und Preßhefe. 1855 erfolgte die Protokollierung der Fa. Brüder R. 1871 wurde eine vollständige neue Brauhausanlage mit Mälzereigebäuden und ausgedehnten Kellereien errichtet, in Fabriksnähe wurden Eisteiche angelegt. Die Jahresproduktion von Bier stieg von 100 000 hl (1872) auf über 300 000 (1901) an, der Export wurde ab 1870 u. a. nach Italien, der Türkei und Ägypten, später auch nach Griechenland, Spanien und Südamerika ausgedehnt. Die alte Brauerei wurde um eine Reihe neuer rentabler Produktionszweige erweitert. Darüber hinaus beteiligte sich R. auch maßgeblich an der Gründung der Grazer Tramwayges. (1887) und der Grazer Schloßbergbahn (1887) sowie an der Errichtung des Lebringer Elektrizitätswerkes(1898–1902), des ersten Flußkraftwerkes der Stmk. Überdies ist ihm eine Reihe von Neuerungen im Bereich der Brauind. zuzuschreiben. Er stellte erstmals (1858) in einer steir. Brauerei eine Dampfmaschine auf, erfand einen Pichapparat zur Reinigung und Dichtung geleerter Fässer (1872) und erwarb verschiedene Patente, u. a. für einen neuen Verschluß. R., einer der bedeutendsten steir. Industriellen der Gründerzeit, in dessen gastlichem Haus auch die von ihm geförderten Rosegger und Falb (s. d.) verkehrten, wurde vielfach geehrt und ausgezeichnet, u. a. 1883 nob. Sein Bruder, Julius R. (1823–62), ein hervorragender Brauereifachmann, arbeitete vor allem als Gärtechniker in verschiedenen Fabriken in Deutschland, dann in Wien bei seinem Schwiegervater A. I. Mautner v. Markhof. Ab 1853 stiller Teilhaber an der Brauerei seines Bruders in Baierdorf, erwarb er 1857 den Besitz im Steinfeld.

L.: (tw. auch für Julius R.): Grazer Tagbl. und Tagespost (Graz) vom 8. 5. 1901; Südost-Tagespost vom 30. 10. 1965; Großind. Österr. 5, S. 264 ff., Erg.Bd. 3, S. 201 ff.; 100 Jahre Brüder R. Gedenkbll. unseren Freunden und Mitarbeitern gewidmet, 1953; F. Pichler, Die Brüder R. und M. Kober, drei Pioniere der steir. Brauind., in: Steir. Unternehmer des 19. und 20. Jh., hrsg. von F. Tremel ( = Z. des Hist. Ver. für Stmk., Sonderbd. 9), 1965, S. 86 ff.; R. Granichstaedten – Czerva – J. Mentschl – G. Otruba, Altösterr. Unternehmer ( = Österr.-R. 365/367), 1969, S. 95 f.
(P. W. Roth)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 9 (Lfg. 41, 1984), S. 48f.
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