Reiter, Josef (1862-1939), Komponist

Reiter Josef, Komponist. * Braunau a. Inn (OÖ), 19. 1. 1862; † Bad Reichenhall, Bayern (BRD), 2. 6. 1939. Sohn des Franz Sal. R. (* Bad Ischl/OÖ, 26. 11. 1835; † Linz-Urfahr, 27. 11. 1888), der neben seiner Tätigkeit im Schuldienst (ab 1855 Lehrer in Kremsmünster, ab 1860 in Braunau, ab 1872 Oberlehrer in Urfahr) als Organist und Gesanglehrer, bes. aber als Komponist von mehr als 400 Werken (Kirchenkompositionen, Vertonung von Ged. Stelzhamers) hervortrat. Nach Besuch des Gymn. und (1880/81) der Lehrerfortbildungsanstalt in Linz war R. in verschiedenen Orten in OÖ als Lehrer tätig, nach Ablegung der Staatsprüfung für Orgel, Klavier und Gesang (1884) unterrichtete er 1886–89 Gesang an einer Mädchenbürgerschule in Wien-Hernals. 1886–1908 Musiklehrer am Gymn. in Wien V., 1886–93 Lehrer für Klavier (dann auch für Gesang und Orgel) an den Horak’schen Musikschulen in Wien, 1908–11 Dir. des Salzburger Mozarteums. R. war auch Gründer bzw. Dirigent mehrerer Gesangver. Ab 1912 lebte er als freischaffender Künstler wieder in Wien (wo er 1917/18 – von seinem Librettisten und langjährigen Freund M. v. Millenkovich, s. d., berufen – Kapellmeister des Hofburgtheaters war), ab 1921 größtenteils auf Schloß Riedegg bei Gallneukirchen. Er ist vor allem als Lieder- und Chorkomponist romant. Prägung bekannt geworden; seine volkstümlichen, von Mahler (s. d.) geförderten Opern stehen in der Tradition des dt. Verismo, konnten sich aber nicht durchsetzen. Seine Orchester- und Kammermusik ist klassizist. orientiert, doch auch von Bruckner (s. d.) beeinflußt. Als Klavierkomponist steht R. in sichtlichem Traditionszusammenhang mit Schumann und A. Jensen.

W.: (Urauff.Daten): Klopstock in Zürich, op. 15, 1894 (Oper, Text von M. Morold), umgearbeitet als: Ich aber preise die Liebe, 1912; Streichquintett, op. 27, 1896; Der Bundschuh, op. 22, 1897 (Oper, Text von M. Morold); Requiem, op. 60, 1904; Der Totentanz, op. 50, 1905 (Oper, Text von M. Morold); Der Tell, op. 100, 1917 (Oper, Text von M. Morold); Bühnenmusik zu F. Raimund, Der Bauer als Millionär, op. 116, 1918; Weihnachtsmesse, op. 120, 1920; Klaviersextett, op. 133, 1922; Ostermesse, op. 137, 1927; Goethe-Symphonie für Soli, Chor, Orchester und Orgel, op. 168, 1931; kirchenmusikal. Werke; ca. 150 Lieder und Balladen; über 300 Chöre aller Art; Symphonien; Streichquartette; 40 Klavier- und Orgelwerke; etc. – Publ.: Die Volksliedbewegung in Dt.-Österr., gem. mit E. K. Blümml und F. F. Kohl, 1910. Nachlaß, Hss.Smlg., Wr. Stadt- und Landesbibl., und Musiksmlg., Österr. Nationalbibl., beide Wien.
L.: Tages-Post (Linz) vom 19. 1. 1937; Neues Wr. Tagbl. vom 6. 9. 1939; A. Wodniansky, J. R., in: Mitt. des Wr. Männergesang-Ver. 1924/25, 1925, S. 67 ff.; M. Morold, J. R., in: Z. für Musik 104, 1937, S. 21 ff.; M. Langer, Dem Tondichter J. R. zum Gedenken, in: Unsere Heimat 33, 1962. S. 72 ff.; Jb. der Wr. Ges., 1929; Kosch, Kath. Deutschland; MGG; Müller; Riemann, 12. Aufl.; M. Morold, J. R., 1904; ders., Führer durch das Requiem von J. R. (60. Werk), (1916); L. Etzmansdorfer, J. R., (1923) (mit Werksverzeichnis bis op. 139); C. Preiß, J. R. – ein Sänger der Heimat, in: OÖ. Ein Heimatbuch für Schule und Haus, hrsg. von F. Berger, 1925, S. 587 ff.; A. Seidl, Neuzeitliche Tondichter und zeitgenöss. Tonkünstler 2 ( = Dt. Musikbücherei 19), 1926, S. 95 ff.; J. Jernek, Der österr. Männerchorgesang im 19. Jh., phil. Diss. wien, 1937, S. 289 ff.; Mitt. K. Gladt (†), Wien. – Franz R.: Salzkammergut-Ztg. vom 19. 4. und 26. 7. 1951; Krackowizer; L. Etzmansdorfer, J. Reiter, (1923), S. 11 ff.
(O. Wessely)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 9 (Lfg. 41, 1984), S. 65f.
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