Renner, Maria Johanna; geb. Brochard (1775-1824), Schauspielerin

Renner Maria Johanna, geb. Brochard, Schauspielerin. * Mainz (BRD), 13. 1. 1775 (Taufdatum); † Prag, 24. 4. 1824. Tochter der Schauspielerin und Sängerin Eva und des Tänzers Georg Brochard, ab 1792 mit dem Tänzer F. Renner verheiratet, von dem sie jedoch später geschieden wurde; Schülerin ihrer Mutter und des Theaterdir. Th. Marchand, in der Musik 1783/84 in Salzburg von L. Mozart ausgebildet. R. debut. 1790 am Hof- und Nationaltheater in München, wo sie bis 1797 und – nach Engagement in Mannheim –1799–1807 als naive Liebhaberin engagiert war, aber auch als Sängerin auftrat. 1809 ging sie mit Holbein (s. d.) auf Wanderschaft, 1810–12 wirkte sie im Fach der 1. Liebhaberin am Bamberger Theater, das damals – unter Holbein als Dir. und E. T. A. Hoffmann als Musikdir. – seine höchste Blüte erreichte. 1812/13 in Würzburg, 1813/14 in Karlsruhe (1814 auch am Kurtheater in Baden-Baden) und – nach Gastspielreisen durch ganz Deutschland – 1816–20 am Kgl. Hoftheater in Hannover. 1819 debut. sie als Chatinka am Prager Ständetheater, wo sie in der Folge als l. Liebhaberin und junge Frau im Lustspiel zu einer der Hauptstützen des Ensembles wurde. In diesen Jahren trat sie fast immer gem. mit Holbein, als dessen Frau sie galt, oder unter seiner Dion. auf. R. gehörte zu den bedeutendsten Schauspielerinnen ihrer Zeit. Humor, Grazie und feine Ironie wurden an ihrer Darstellung feinkom. Charakterrollen hervorgehoben, ungekünstelte Naivität und poesievolle Gestaltung machten sie nicht nur zur ersten bedeutenden Darstellerin des Kleistschen Käthchens, das sie – mit großem Eindruck auf Hoffmann – zum ersten Mal 1811 in Bamberg und danach auf zahlreichen Gastspielen und Engagements im dt. Sprachraum darstellte, sondern auch zu einer der berühmtesten Darstellerinnen dieser Rolle überhaupt.

Hauptrollen: Käthchen (H. v. Kleist, Das Käthchen von Heilbronn); Marianne (J. W. v. Goethe, Die Geschwister); Chatinka (F. Kratter, Das Mädchen von Marienburg); Karoline (J. F. Jünger, Der Wechsel); Luitgarde (F. v. Holbein, Fridolin); Elsbeth (ders., Das Turnier zu Kronstein); Margarethe (A. v. Kotzebue, Die Hagestolzen); Liddy (ders., Die Indianer in England); Nina (N. Dalayrac, Nina); Azemia (ders., Die Wilden); etc.
L.: R. Köppler, E. T. A. Hoffmann am Bamberger Theater, in: Hist. Ver. für die Pflege der Geschichte des ehemaligen Fürstbistums zu Bamberg, 81. Ber., 1929, S. 35, 38, 42, 67, 77 f., 82 f., 85, 109, 115; ADB (s. unter Holbein v. H. Franz Ignaz); Eisenberg, Bühnenlex.; Graeffer–Czikann; Kosch, Theaterlex. (s. Holbein v. Holbeinsberg M.); Wurzbach (s. R.-Holbein M.); Z. Funck, Erinnerungen aus meinem Leben . . . 1, 1836, S. 33 f., 53; J. G. W. Dennerlein, Geschichte des Würzburger Theaters . . ., 1853, S. 70, 72, 81 f, 83 f.; H. Müller, Chronik des Kgl. Hoftheaters zu Hannover, 1876, S. 137, 147, 159 f.; F. Grandaur, Chronik des kgl. Hof- und National-Theaters in München . . ., 1878, s. Reg. und Tabellen; O. Teuber, Geschichte des Prager Theaters 3, 1888, S. 36, 44 f., 50 f., 53 f., 125; F. Leist, Geschichte des Theaters in Bamberg bis zum Jahre 1862, 2. Aufl. (1893), S. 151 f., 160, 164, 168; E. Devrient, Geschichte der dt. Schauspielkunst 2, 1905. s. Reg.; R. Stolze, Kleists Käthchen von Heilbronn auf der dt. Bühne ( = German. Stud. 27), 1923, S. 20 f., 29 f., 116; G. Brod, Kleist und Holbein, phil. Diss. Wien, 1934, S. 9 f., 12, 148, 159; G. Haass, Geschichte des ehemaligen Großherzoglich-Bad. Hoftheaters Karlsruhe . . . 1, 1934, S. 128 f., 136 f., 147 f., 152, 154; Mozart. Briefe und Aufzeichnungen. Gesamtausg., hrsg. von W. A. Bauer el al., 3–4, 1963, 6, 1971, 7, 1975 (s. Brochard); E. T. A. Hoffmann, Tagebücher, hrsg. von F. Schnapp, (1971), s. Reg.; F. I. Holbein Edler v. Holbeinsberg, Eine Lebensgeschichte, Manuskript, Theatersmlg., Österr. Nationalbibl., Wien (fälschlich Panner Marie).
(E. Lebensaft)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 9 (Lfg. 41, 1984), S. 81f.
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