Richter, Anton (1805-1877), Industrieller

Richter Anton, Industrieller. * Mildenau (Luh, Böhmen), 6. 12. 1805; † ebenda, 6. 10. 1877. Sohn eines Webers und Kleinbauern, Vater des Großindustriellen Gustav R. v.Wittbach (s. d.), Großvater des Großindustriellen Karl M. R. (s. d.); lernte ab 1815 bei seinem Vater die Handweberei und arbeitete ab 1822 in der Weberei J. Hanisch in Warnsdorf (Varnsdorf); 1834 errichtete er in Mildenau eine Handweberei mit Lohnwebern für Baumwollgewebe und Damaste, die man damals nur aus dem Ausland bezog. Wertvoll erwies sich die Geschäftsverbindung mit J. Frh. v. Liebieg (s. d.) in Reichenberg (Liberec), die dazu führte, daß R. 1851 eine Kammgarnspinnerei errichtete, die 1852 unter der Fa. Mildenauer Kammgarnspinnerei Johann Liebieg & Co., für die er die Prokura erhielt, mit 600 Spindeln auf modernen Maschinen den Betrieb aufnahm. Da es an geschulten Arbeitskräften fehlte, mußte sich R. diese durch planmäßigen Unterricht heranziehen und die Fabriksgebäude bald für 2400 Spindeln erweitern. 1861 erbaute er im angrenzenden Raspenau (Raspenava) eine weitere Kammgarnspinnerei und verband beide Betriebe durch eine Schmalspurgleisanlage. 1869 traten seine Söhne Josef A. R. (1830–98) und Gustav R. v. Wittbach in die Fa. ein und führten diese nach dem Ausscheiden des Gründers und Auflösung des Ges.Vertrages mit Liebieg (1876) als Mildenauer Kammgarnspinnerei A. R.s Söhne weiter.

L.: Reichenberger Ztg. vom 7. 10. 1877; Mitt. des Ver. für Heimatkde, des Jeschken-Isergaues 21, 1927, S. 148; Großind. Österr. 6, S. 230, Erg. Bd. 3, S. 62 f.; Oesterr.-Ungarns Industrielle, hrsg. von A. Eckstein, 1884; 50jähriger Bestand der Mildenauer Kammgarn-Spinnerei von A. R.s Söhne, 1902, S. 4, 8 ff.; F. Hantschel, Biographien dt. Industrieller aus Böhmen, 1920, S. 61; A. F. Ressel, Geschichte der Gemeinden Raspenau, Mildenau und Mildeneichen 1, 1914, S. 78 f., 2, 1929, S. 328 f.; Mitt. J. Mentschl, Wien.
(E. Marschner)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 9 (Lfg. 42, 1985), S. 121
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