Riepl, Franz X. Laurenz (1790-1857), Bergbau- und Eisenbahnfachmann

Riepl Franz X. Laurenz, Bergbau- und Eisenbahnfachmann. * Graz, 29. 11. 1790; † Wien, 25. 4. 1857. Absolv. an der Univ. Graz die philosoph. Jgg. (1808–09) und stud. kurze Zeit Jus, 1810–14 an der Berg- und Forstakad. in Schemnitz (Banská Štiavnica) das Bergfach; danach vertiefte er seine Kenntnisse der Mineral. bei Mohs (s. d.) am Grazer Joanneum und suppl. kurze Zeit die mathemat. Lehrkanzel am Joanneum. 1816 Leiter der fürstenbergschen Berg- und Hüttenwerke in St. Joachimsthal (Jáchymov); daneben hatte er Gelegenheit zu geognost. Stud., die seinen wiss. Ruf begründeten. 1818/19 zunächst Supplent der naturgeschichtlichen Gegenstände an der Realschule und an der kommerziellen Abt. des Wr. Polytechn. Inst., ab 1819 provisor., 1821 o. Prof. der Naturgeschichte und Warenkde., legte er dort die Mineraliensmlg. an. Auf ausgedehnten Forschungsreisen in fast alle Kronländer der Monarchie stellte R. die vorhandenen Bodenschätze fest und befürwortete deren Erschließung. Mit seiner mineralog. Smlg. erregte er das Interesse Erzh. Johanns (s. d.), der ihn 1824 beauftragte, für die Reformierung des Eisenwesens am steir. Erzberg ein Gutachten auszuarbeiten. R. empfahl den Übergang zum Abbau des Erzes auf Etagen im Tagbau, was dem bedeutenden Erzverlust und der Holzverschwendung durch die Grubenzimmerung vorbeugen und die Betriebssicherheit erhöhen sollte, eine rationelle Betriebsführung, welche die Vereinigung der Vordernberger Gewerken zum gemeinschaftlichen Abbau erforderte, und eine Bereinigung der Besitzrechte am Erzberg. Nach Prüfung durch die Hofkammer wurden R.s Vorschläge verwirklicht, wodurch ein rationellerer Berg- und Hüttenbetrieb am steir. Erzberg eingeleitet wurde. R. wurde durch die Vermittlung Erzh. Johanns techn. Berater bei der Errichtung der neuen Eisenwerke in Witkowitz (Ostrava-Vitkovice), wo die ersten Kokshochöfen der Monarchie aufgestellt und die Steinkohlenlager des Ostrau-Karwiner Reviers genutzt wurden. 1829 trat R. mit dem Projekt zum Bau einer Eisenbahnverbindung von Wien zu den Salzbergwerken von Bochnia (Galizien), welches er später in techn. und kommerzieller Hinsicht nach Norden bis zur russ. Grenze und nach Süden bis Triest erweiterte, an die Öffentlichkeit. Stud.Reisen nach England zeigten die Schwierigkeiten des Projekts auf, doch erregten R.s Pläne das Interesse S. M. v. Rothschilds, der 1836 das definitive Privilegium zum Bau der Eisenbahn von Wien nach Bochnia erhielt. Die zwischen 1837 und 1856 in Etappen eröffnete K. Ferdinandsnordbahn war die erste Lokomotiv-Eisenbahn in Österr. 1838 gab R. sein Lehramt auf, um sich ganz in die Dienste der Eisenbahn zu stellen. Er entwarf den Plan für ein vollständiges österr. Eisenbahnnetz, das später auch großteils verwirklicht wurde. Darüber hinaus untersuchte er die möglichen Auswirkungen der Eisenbahn auf das gesamte Wirtschaftsleben des österr. Staates und versuchte, den volkswirtschaftlichen Nutzen ziffernmäßig darzustellen. R. hatte mit seinen richtungweisenden Arbeiten hervorragenden Anteil an der Entwicklung des Wirtschaftslebens des 19. Jh. Ehrenbürger von Wien, Brünn (Brno) und Olmütz (Olomouc).

W.: Über die Verwendung der Trapparten und vorzüglich des Basaltes zu wasserbeständigen Cementen, in: Jbb. des k. k. polytechn. Inst. in Wien 1, 1819; Übersicht der Steinkohlebildungen in der österr. Monarchie und der gegenwärtigen Benützung ders., ebenda, 2, 1820; Darstellung der Eisenerz-Gebilde in den Gebirgen der österr. Monarchie, welche im Norden der Donau liegen, ebenda, 3, 1822; Entwicklung der Theorie über die häufige Erscheinung des raschen Emporsteigens unterird. Wässer . . ., in: Medicin. Jbb. des k. k. österr. Staates 7, 1822; etc.
L.: Fremden-Bl. vom 11. 3. 1886; Tagespost (Graz) vom 29. 5. 1927; Volks-Ztg. vom 23. 11. 1937; F. W. Garheis, F. X. R., der geistige Schöpfer der Dampfeisenbahnen in Österr., in: Verkehrswirtschaftliche Rundschau 2, 1937, S. 1 ff.; Ztg. des Ver. mitteleurop. Eisenbahnverwaltungen, 1938, S. 150 ff.; A. A. Klein, Prof. F. R. als Berater Erzh. Johanns bei der Reformierung des Eisenwesens am steir. Erzberg, in: Z. des Hist. Ver. für Stmk. 53, 1962, S. 229 ff.; ders., F. R. Steir. Ind.Pionier 1790–1857, in: Steir. Berr. zur Volksbildung und Kulturarbeit 7, 1963,S. 50; ders., F. R. und die Anfänge der Ind. und des Eisenbahnbaues in Österr., in:Österr. in Geschichte und Literatur 8, 1964, S. 225 ff.; R. H. Kastner, Die Entwicklung von Technik und Ind. in Österr. und die Techn. Hochschule in Wien, in: Bll. für Technikgeschichte 27, 1965, S. 55; E. Krofian, F. R., der geistige Schöpfer der ersten Dampfeisenbahn in Österr., in: Kulturnachrichten der Marktgem. Dt.-Wagram 9, 1968, S. 6 ff.; Graeffer-Czikann; Poggendorff 2; Wurzbach; E. Deutsch, Zur Erinnerung an F. R., den geistigen Schöpfer der K. Ferdinands Nordbahn, 1871; ders., F. R., der geistige Gründer der K. FerdinandsNordbahn . . ., 1886; Geschichte der Eisenbahnen der Österr.-ung. Monarchie 1/1, 1898, S. 129 ff.; Die k. k. Techn. Hochschule in Wien 1815–1915, red. von J. Neuwirth, 1915, s. Reg.; R. Drapala, F. X. R., der Ind.Pionier des Ostrau-Karwiner Revieres, 1932; Die österr. Eisenbahnen 1837–1937, 1937, S. 7 ff.; E. Hofbauer, Die ersten österr. Eisenbahnplanungen . . . (Dem Gedächtnis von F. X. R.) ( = GOF-Verkehrsschriften-R. 29), 1952; Die Stmk. Land, Leute, Leistung, 1956, S. 294 f.; 150 Jahre Techn. Hochschule in Wien 1815–1965, 1–2, hrsg. von H. Sequenz, 1965, s. Reg.; Mitt. F. Filek-Wittinghausen, Wien.
(L. Jontes)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 9 (Lfg. 42, 1985), S. 156f.
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