Robitschek, Kurt; später Ken Robey (1890-1950), Theaterdirektor, Schriftsteller und Schauspieler

Robitschek Kurt, Schriftsteller, Theaterdirektor und Schauspieler. * Prag, 23. 8. 1890; † New York, N.Y. (USA), 16. 12. 1950. Hieß ab ca. 1948 ken Robey. Sohn eines leitenden Bankbeamten; verließ 16jährig das Gymn., brannte zum Zirkus durch und war dann bei verschiedenen Wandertruppen – bald als Conférencier – und eine zeitlang auch für das „Prager Tagblatt“ tätig. Ab ca. 1910 lebte R. als Journalist (u. a. Mitarbeiter der Berliner Z. „Der Guckkasten“ und „Zeit im Bild“) und Schriftsteller hauptsächlich in Wien. Er verfaßte – häufig für Stolz – eine Reihe populärer Liedtexte, wie „Im Prater blüh’n wieder die Bäume“ oder „In Wien gibt’s noch manch winziges Gasserl“, und Operettenlibretti. 1924 gründete R. in Berlin gem. mit P. Morgan, M. Hansen und M. Adalbert das Kabarett der Komiker, dessen Dir. er auch wurde und das in der Folge Anziehungspunkt für die berühmtesten Kabarettkünstler seiner Zeit wurde. Die Besonderheit seines Kabarettstils war die Mischung aus Literatur, Theater und Musik mit Varieténummern und Tanz. Die Conférencen hatten bei ihm nicht mehr nur Ansagefunktion, sondern erhielten den Wert selbständiger Nummern. 1933 mußte er das Kabarett aus polit. Gründen schließen. Über Prag und Wien (hier übernahm er für kurze Zeit die Kammerspiele) emigrierte R. nach Frankreich, dann nach England, wo er sowohl in Paris (Variétes Alhambra und A. B. C.) als auch in London (Victoria Palace Theatre und Ambassador) als Theaterleiter tätig war und Revuen herausbrachte, und zuletzt in die USA. R. konnte zwar in Hollywood nicht Fuß fassen, war jedoch in der Folge in New York sehr erfolgreich: weniger mit seinem Versuch der Wiederbelebung des Kabaretts der Komiker (das jedoch immerhin bis 1949 bestand), vielmehr als Produzent großer Varietéshows, u. a. in der Carnegie Hall und der Town Hall, sowie als Veranstalter von Tourneen, häufig One Man Shows, für die er – ähnlich wie seinerzeit in Berlin – prominente Künstler, wie Ch. Laughton, Ch. Boyer, A. Moorehead, gewinnen konnte. R. war ein ausgezeichneter Theaterfachmann, dessen kreatives Talent von den Zeitgenossen betont wurde. Seine eigenen kabarettist. Texte sind sprachlich konventionell, sein Witz erreicht nicht die Schärfe polit. Satire, sondern bleibt im Bereich des allg. Menschlichen.

W.: Pierrot. 1910 (Komödie); Du liebes Wien, gem. mit O. Hein (Musik von R. Stolz), 1912 (Operette); Die Varietédiva, gem. mit O. Hein (Musik von R. Stolz), 1915 (Operette); Die hl. Fifi und andere Verse, 1919; Märchen im Schnee, gem. mit R. Morgan (Musik von R. Stolz), 1927 (Operette); Da muß ich lachen! Neue Brettlverse, o. J.; Verschämtes und Unverschämtes, o. J.; O selig, ein Rindvieh zu sein! Neue Verse, o. J.; zahlreiche Kabarett-, Revue- und Liedtexte; etc. Hrsg.: Die einsame Träne. Das Buch der guten Witze, gem. mit P. Morgan. (1924).
L.: Aufbau vom 22. 12. 1950 und 12. 1. 1951; Giebisch-Gugitz; Hdb. der Emigration 2; Riemann, 12. Aufl.; Deutschlands. Österr.-Ungarns und der Schweiz Gelehrte, Künstler und Schriftsteller in Wort und Bild, 3. Ausg. 1911; K. Budzinski, So weit die scharfe Zunge reicht, (1964), S. 554; H. Greul, Bretter, die die Zeit bedeuten. (1967), s. Reg.; R. Otto – W. Rösler, Kabarettgeschichte, 1977. s. Reg.; F. Torberg. Die Erben der Tante Jolesch, (1978), S. 145 ff.; Exil in den USA . . . ( = Kunst und Literatur im antifaschist. Exil 1933–45, 3), 1979, s. Reg.; F. Stieger, Opernlex. 3/3, 1981; K. Budzinski, Pfeffer ins Getriebe, (1982), s. Reg.; Die zehnte Muse, hrsg. von F. Deißner-Jenssen, 1982, bes. S. 541 f. und 544; Die Vertreibung des Geistigen aus Österr., 1985, S. 94 (Kat.); Mitt. G. Roner, New York, N. Y., USA. und H. L. Strauss, Acton, Mass., USA.
(E. Lebensaft – I. Stiaßny-Baumgartner)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 9 (Lfg. 42, 1985), S. 190
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