Rössler, Richard (1897-1945), Pharmakologe

Rössler Richard, Pharmakologe. * Ebensee (OÖ), 7. 6. 1897; † Wien, 4. 5. 1945. Sohn eines Salinenarztes; stud. 1915–17 und 1918–22 Med. an der Univ. Innsbruck (1922 Dr. med.), 1921–23 war er am Inst. für allg. und experimentelle Pathol. der Univ. Innsbruck, 1923/24 am Pharmakolog. Inst. der Univ. Graz wiss. tätig; 1924–36 Ass. am Pharmakolog. Inst. der Univ. Wien. Im Rahmen eines zweijährigen Stipendiums hielt er sich in Cambridge, Oxford und London auf, wo er bes. durch Barcroft und Anrep eine wesentliche Ausrichtung und Ausbildung auf. dem Gebiete der Kreislaufpharmakol. erfuhr. 1931 Habil. für Pharmakol., Toxikol. und Arzneiverordnungslehre an der Univ. Wien, 1936 Tit. ao. Prof., 1938 o. Prof. der Pharmakol. und Dir. des Pharmakolog. Inst. der Univ. Wien. 1941 korr. Mitgl. der Akad. der Wiss. in Wien. In seinen wiss. Werken befaßte sich R. vorwiegend mit Problemen der Physiol. und Pharmakol. des Herzens und des Kreislaufes. Wesentliche Schwerpunkte bilden dabei Untersuchungen über die pharmakolog. Beeinflußbarkeit der Leber- und Herzkranzgefäße. Vor allem seine Arbeiten über die Wirkungen des Pitressins auf die Koronardurchblutung sowie die Dynamik des linken Ventrikels fanden große internationale Beachtung. Er wirkte auch maßgeblich an den Arbeiten des Anrep’schen Inst. über die Beeinflussung der Herztätigkeit durch die Atmung mit. Die Arbeiten R.s und seiner Mitarbeiter über die Bedeutung des Herzbeutels für die Funktion des gesunden und des geschädigten Herzens trugen wesentlich zum Verständnis der Ursachen und Mechanismen der Herzinsuffizienz bei. Hervorzuheben sind auch die gem. mit seinem Schüler Konzett durchgeführten Arbeiten über die pharmakodynam. Beeinflussung des Bronchialwiderstandes. Die dabei von Konzett und R. entwickelte Methodik galt über viele Jahrzehnte als Standardmethode zur Untersuchung bronchodilatator. sowie-konstriktor. wirkender Substanzen. R. war ein hervorragender Experimentator, der ungewöhnliche techn. Fertigkeiten bei der Ausarbeitung neuer Methoden besaß. Er setzte die Tradition des Wr. Pharmakolog. Inst. als einer universellen Ausbildungsstätte fort. Zu seinen Schülern gehörten u. a. K. Unna, F. Brücke, A. Lindner, O. Kraupp und G. Werner.

W.: Über Veränderungen der Kammertätigkeit des Froschherzens nach Abtrennung von Sinus und Vorhöfen, in: Naunyn-Schmiedebergs Archiv für Experimentelle Pathol. und Pharmakol. 110, 1925; Beitrr. zur Pharmakol. der Lebergefäße, gem. mit R. Baer, ebenda, 119, 1927; Über experimentelle Herzschädigung durch Koronargefäßverengung und ihreBeeinflußung durch Pharmaka, ebenda, 153, 1930; Über die Herzwirkung der Purinkörper, gem. mit E. Flaum, in: Klin. Ws. 12, 1933; Über die Herzwirkung von Hypophysenhinterlappenextrakten am Hund unter natürlichen Kreislaufbedingungen, gem. mit W. Antopol, in: Z. für die gesamte Experimentelle Med. 94, 1934; Steuerung der Herzleistung durch das Perikard bei wechselndem Aortenstück, gem. mit K. Unna, in: Naunyn-Schmiedebergs Archiv für Experimentelle Pathol. und Pharmakol. 180, 1936; Versuchsanordnung zu Untersuchungen an der Bronchialmuskulatur, gem. mit H. Konzett, ebenda, 195, 1940; etc.
L.: Almanach Wien 95, 1947, S. 405 ff.; F. Brücke, In memoriam Prof. Dr. R. R., in: Wr. klin. Ws. 67, 1955, S. 305 f.; Kürschner, Gel.Kal., 1935–50; E. Guggenberger, Oberösterr. Ärztechronik, (1962); H. Decker, Personalbibliographien von Prof. und Doz. des Pharmakolog. Inst. der Univ. Wien . . . 1850–1970, 1975, S. 116 ff.
(O. Kraupp)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 9 (Lfg. 43, 1986), S. 209f.
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