Rosenbaum, Alfred (1861-1942), Literarhistoriker und Bibliograph

Rosenbaum Alfred, Literarhistoriker und Bibliograph. * Prag, 12. 1. 1861; † KZ Theresienstadt (Terezín, Böhmen), 12. 9. 1942. Sohn eines Seidenwarenhändlers; stud. an der Univ. Prag 1879–81 Jus, 1884–86 an der Univ. Wien Med. sowie 1888–92 dt. Philol. bei Heinzel und Minor (beide s. d.). Wurde schon bald auf Fragen der Quellenerkundung und -aufzeichnung als Basis aller literarhist. Arbeit aufmerksam. Er untersuchte das damals unter Goetzes Leitung weitergeführte bibliograph. Standardwerk der dt. Literaturforschung, den von Goedeke begründeten „Grundriß zur Geschichte der deutschen Dichtung aus den Quellen“ auf seine Leistungsfähigkeit und arbeitete Vorschläge für dessen Verbesserung aus, die Goetze veranlaßten, R. verantwortlich an der Weiterführung des Werkes zu beteiligen. R. sah drei Voraussetzungen für die grundlegende Verbesserung: die Anlage einer aus der gesamten Überlieferung des Schrifttums zu erarbeitenden umfassenden Smlg. als Bedingung für eine einheitliche Qualität, die fortlaufende Auswertung der wiss. Neuerscheinungen und die gleichzeitig und parallel zur Ausarbeitung einzelner Werkpartien einhergehende Arbeit an einem Gen.Reg. Nach Prag zurückgekehrt, stellte R. fortan seine gesamte Existenz in den Dienst dieser Forderungen. Er begann sofort mit der Reg.Arbeit und deckte dabei zahlreiche notwendige Richtigstellungen und Zusätze auf, bearb. von 1902–22 eine umfassende Jahresbibliographie der dt. Literaturforschung für die führende Fachz. „Euphorion“ – darunter den einzigen Ber. für den Zeitraum 1914–1918 – und schuf in eineinhalb Jahrzehnten die Basis für die weiteren Bde. Hiermit datiert eine neue Periode in der Geschichte des Werkes und der literarhist. Bibliographie überhaupt. Während des Ersten Weltkrieges mußte R. eine subalterne Beamtenstelle bei der Prager jüd. Gemeinde annehmen. Er lebte zurückgezogen – ab 1898 mit der Musikpädagogin E. Preisler (1867–1942) verheiratet – weiterhin seiner Lebensaufgabe. Ab 1919 war R. gem. mit Muncker Mithrsg., nach dessen Tod alleiniger Hrsg. von Goedekes „Grundriß“. 1926 korr. Mitgl. der Dt. Ges. für Wiss., Kunst und Literatur in der Tschechoslowak. Republik. 1935 wurde er von der Leitung des „Grundrisses“ verdrängt, 1942 aus Prag deportiert; seine gesamten Arbeitsergebnisse verbrannten 1945 im Dresdener Verlagshaus.

W.: Beitrr. zum Dt. Anonymen-Lex., in: Z. für Bücherfreunde 15, 1923; A. Sauer. Ein bibliograph. Versuch, 1925; Zwei Briefe von G. Keller, in: FS A. Sauer, (1925); Beitrr. in Euphorion. Bearb.: Grundriß zur Geschichte der dt. Dichtung aus den Quellen von K. Goedeke, 2. Aufl., 9–10, 1910–11; Bibliographie der . . . 1914–18 erschienenen Z. Aufsätze und Büeher zur dt. Literaturgeschichte ( = Euphorion, Erg. H. 12), 1921.
L.: A. Sauer, Ein Prager Bibliograph, in: Bohemia vom 14. 1. 1914, auch in: A. Sauer, Probleme und Gestalten, hrsg. von O. Pouzar, 1, 1933, S. 249 ff.; G. Stefansky, Zum 70. Geburtstag A. R.s, in: Euphorion 32, 1931, S. 138 ff.; Kosch; Kürschner, Gel.Kal., 1925–35; Zum 12. 1. 1931, (1931); H. Jacob, Eine Bibliographie und ihre Verleger, in: Buchhandelsgeschichte, 1985, S. B 354 ff.; UA Wien.
(H. Jacob)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 9 (Lfg. 43, 1986), S. 248
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