Rosenbaum, Sigmund (1867-1945), Druckereifachmann und Graphiker

Rosenbaum Sigmund, Druckereifachmann und Graphiker. * Eger (Cheb, Böhmen), 4. 5. 1867; † Kairo, 16. 6. 1945. Sohn des Kaufmannes Adam R. (1818–84), der 1870 nach Wien übersiedelte und hier 1874 ein Papiergeschäft mit angeschlossener kleiner Druckerei eröffnete, in der vor allem Luxusdrucksorten hergestellt wurden; im 1883 von seinen Brüdern Heinrich (1852–1908) und Ignaz R. (1854–1913) gegründeten Papierkonfektionsbetrieb als Buchdrucker, bei einem Wr. Graveur in den Gravurtechniken ausgebildet, besuchte er die Kunstgewerbeschule in Wien und war schon früh im Familienbetrieb tätig. Nach Stud.Aufenthalten in Paris und London kehrte er 1892 nach Wien zurück und arbeitete wieder in der Fa. mit, vor allem als Designer und in der Kundenwerbung. Die Papierkonfektionsfa. wurde durch eine leistungsfähige Buch- und Steindruckerei erweitert und nahm einen spektakulären Aufschwung, zu dem die Erfindungen R.s (gem. mit Tschofen) nicht wenig beitrugen: die sog. Zaubermalerei und die sog. Mag. Bll., eine Art Malspielware, deren überraschende Wirkungen auf einem speziellen chem. Druckverfahren beruhten und für die in- und ausländ. Patente erworben werden konnten. R. arbeitete mit den Hauptvertretern des Wr. Jugendstiles wie J. Hoffmann, K. Moser, Olbrich (beide s. d.) und Wagner zusammen. Die Fa. erwarb sich durch die künstler. und techn. Vollkommenheit ihrer Erzeugnisse internationalen Ruf. 1910 setzte R. gegen den Willen seiner konservativeren Brüder die Gründung eines Verlages durch, der vor allem Z. und Werke aus der Sphäre des Jugendstiles herausbrachte, u. a. künstler. gestaltete Liebhaberausg. Vor und nach dem Ersten Weltkrieg wurden schrittweise dieFirmen Brüder R., Ges. für graph. Ind., Österr. Ztg.- und Druckerei AG, Waldheim– Eberle AG, Elbemühl AG, die Papierkonfektionsfa. M. Munk und die Großbuchbinderei Hammermann etc. fusioniert. R. hatte als Gen.-Dir. die fachliche Leitung des Gesamtkonzerns inne. Aus künstler.-ästhet. Gründen lösten er und sein Sohn Rudolf R. ( * Wien, 27. 8. 1894; † Wien, 2. 10. 1965) 1927 die Fa. Brüder R. aus dem Konzern, führten sie wieder selbständig und leiteten damit die zweite Blütezeit der eigenen Fa. ein, die wesentlich dazu beitrug, den Ruf Österr. als Pflegestätte der Druckkunst – vor allem im Ausland – zu festigen. 1938 emigrierte R. nach Griechenland, später nach Ägypten.

L.: N. Fr. Pr. vom 2. 4. 1914; Neues Wr. Tagbl. vom 4. 5. 1937; Kommerzialrat S. R. – 70 Jahre!, in: Österr. Buch- u. Steindrucker 30, 1937, S. 48; M. G. Hall, Österr. Verlagsgeschichte 1918–38, 2, 1985, s. Reg.; A. Durstmüller d. J. – N. Frank, 500 Jahre Druck in Österr. 2, (1986), s. Reg.; R. Rosenbaum, Brüder R. – Geschichte einer Druckerei und einer Familie, 1965, Manuskript, Privatbesitz, Wien; Mitt. H. Rosenbaum, Wien.
(A. Durstmüller)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 9 (Lfg. 43, 1986), S. 250
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