Roser, Franz Moritz (1818-1906), Politiker und Mediziner

Roser Franz Moritz, Politiker und Mediziner. * Wekelsdorf (Teplice nad Metují, Böhmen), 18. 9. 1818; † Braunau (Broumov, Böhmen), 11. 8. 1906. Stud. Med. an der Univ. Prag (1851 Dr. med.; Mag. obstet.), war dann Praktikant und Sekundararzt an der Prager Augenklinik. Er ließ sich in Braunau als Augenarzt nieder, daneben erforschte er Wasserheilverfahren in Gräfenberg (Jeseník) und leitete vier Jahre die Wasserheilanstalt Centnerbrunn bei Neurode (Zdrojowisko, preuß. Schlesien). Bekannt wurde R. als linksliberaler Landtags- (1867–89) und Reichsratsabg. (1867–1901) durch mehrere soziale und humanitäre Reformanträge (Koalitionsfreiheit der Arbeiter, Abschaffung der Nachtarbeit für Frauen und Kinder, Bekämpfung der Trunk- und Spielsucht, Einrichtung eines Reichsgesundheitsamtes etc.); 1869 wurde er in Arbeiterversmlg. als der erste Sozialdemokrat. Abg. in Österr. gefeiert. Obwohl er im Reichsrat zum Fortschrittsklub gehörte, blieb er in der Politik ein Außenseiter.

W.: Die Anwendung und Erfolge des Wassers als Heilmittel . . ., 1858; Die Erfolge des Wassers als Heilmittel in acuten Krankheiten . . ., 1859; etc. Hrsg.: Vorwärts, polit. Ws. für das Volk (Braunau), 1866–67.
L.: N. Fr. Pr. vom 11., Braunauer Dt. Ztg. und Braunauer Dt. Nachrichten vom 17. 8. 1906; Hahn, 1867, 1873, 1879, 1885, 1891; Hirsch; Knauer; Wurzbach; S. Kanner, Das Lotto in Österr., 1898, S. 56 ff.; R. Schránil–J.Husák, Der Landtag des Kg.Reiches Böhmen 1861–1911, 1911, s. Reg.; J.Kořalka, Vznik socialistického dělnického hnutí na Liberecku, 1956, s. Reg.; D.Harrington–Müller, Der Fortschrittsklub im Abg. Haus des österr. Reichsrats 1873–1910 ( = Stud. zur Geschichte der österr.-ung. Monarchie 11), 1972, s. Reg.
(J. Kořalka)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 9 (Lfg. 43, 1986), S. 256
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