Roth, Franz (1837-1907), Komponist und Kapellmeister

Roth Franz, Komponist und Kapellmeister. * Wien, 7. 8. 1837; † Wien, 24. 10. 1907. Bruder des Komponisten und Kapellmeisters Louis R. (s. d.); als Pianist ausgebildet, fungierte R. vorerst als Klavierbegleiter, z. B. auch des Geigers O. Bull auf dessen Amerikatournee, und gründete 1858 eine Konzertkapelle in Wien. Bis 1885 war er als Kapellmeister am Theater a. d. Wien, Strampfertheater, Josefstädtertheater, Wr. Stadttheater und Carltheater engagiert. 1886 ans Wallnertheater in Berlin berufen, wirkte er dort bis 1889 als Dirigent, kehrte anschließend nach Wien zurück und war bis 1905 in der gleichen Funktion am Dt. Volkstheater tätig. R. schrieb u. a. für das Varietétheater in Hietzing, das Fürsttheater und das Ronachersche Sommertheater im Prater, das Josefstädtertheater, das Strampfertheater, das Wr. Stadttheater und das Carltheater die Musik zu unzähligen Possen und Volksstücken, die sich aufgrund ihres Lokalkolorits großer Beliebtheit erfreuten. Zu den von ihm am häufigsten vertonten Autoren zählen K. Bayer, K. Elmar (s. d.) und J. Doppler; R. verfaßte auch die Musik zu einigen Volksstücken L. Anzengrubers (s. d.), u. a. „Das vierte Gebot“, 1890, „Der Fleck auf der Ehr“, „Brave Leute vom Grund“, „Stahl und Stein“ und „Alte Wiener“, alle 1897, und zu Grillparzers (s. d.) „Der Traum ein Leben“, 1898. Er ist außerdem als Komponist von Operetten und Singspielen hervorgetreten.

W.: Der Spion von Aspern, 1864 (Volksstück); Hotel in Ischl, 1867 (Singspiel); Wr. Früchtl’n, 1870 (Posse); Der Waldmüller, 1871 (Volksstück); Wr. Hausherrntöchter, 1873 (Posse); Wr. Prater-Leben, 1876 (Posse); Die Großmutter vom Brillantengrund, 1877 (Volksstück); Der Teufel im Kloster, 1877 (Posse); In den Tiroler Bergen, 1878 (Volksstück); Die Schwestern von Linz, 1878 (Posse); Die Jockeys, 1879 (Operette); Strauß und Lanner, 1880 (Singspiel); Der Raub der Sabinerinnen, 1884 (Schwank, Text von F. und P. v. Schönthan); ’s Nullerl, 1884 (Volksstück, Text von K. Morré); Moro, der Einsiedler, 1885 (Operette); Am Tage des Gerichtes, 1890 (Volksstück, Text von P. Rosegger); Habsburg, 1898 (Märchenspiel, Text von A. v. Berger); Flotte Geister, 1903 (Posse); etc.
L.: N. Fr. Pr. und Neues Wr. Tagbl. vom 26. 10. 1907; Eisenberg, 1893, Bd. 1; Frank–Altmann, 15. Aufl.; Kosch, Theaterlex.; Riemann, 11. Aufl.; Schmidl; Wurzbach (s. unter Roth Stephan Ludwig); K. Glossy, 40 Jahre Dt. Volkstheater, (1929), S. 270; A. Bauer, Opern und Operetten in Wien ( = Wr. musikwiss. Beitrr. 2), 1955, s. Reg.; F. Stieger, Opernlex. 2/3. 1978.
(I. Fuchs)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 9 (Lfg. 43, 1986), S. 275f.
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