Roth, Georg (Georges) (1834-1903), Großindustrieller

Roth Georg (Georges), Großindustrieller. * Wien, 18. 8. 1834; † Wien, 23. 11. 1903. Sohn des Metallknopffabrikanten Georg R. (1797–1869); baute gem. mit seinem Bruder Johann (Jean) R. (1837–1906) die väterliche Fa. zu einem Großunternehmen aus, das vornehmlich Munition erzeugte. Es entstand in Wien III. die G. R., Metallwalzwerk, Metallwaren- und Munitionsfabrik, die Maschinenfabrik von C. Dengg & Co. vorm. Hr. Dingler wurde erworben. Hergestellt wurden Bleche, Patronenhülsen, Zündhütchen sowie Patronen und Granaten. Die Sprengstoffe (Ammonpulver, Dynammon und Ammonal) lieferte die K. u. k. autorisierte Pulverfabrik in Felixdorf Mayr & R. (NÖ). Die Fa. belieferte die k. u. k. Armee sowie verschiedene Staaten in Europa und Übersee. Der Ausgleich mit Ungarn (1867) machte die Errichtung der G. R., ung. Munitionsfabrik in Preßburg (Bratislava) notwendig, die die ung. Landwehr (Honved) versorgte. Der österr. Landwehr diente die um 1901 aus einer Pulvermühle in Lichtenwörth (NÖ) umgestaltete moderne und leistungsfähige Munitionsfabrik. R. bemühte sich schon frühzeitig um eine eigenständige Entwicklungsarbeit, deren Ergebnisse nicht nur Erfindungen auf dem eigentlichen Munitionssektor, sondern auch Munitionsfertigungsmaschinen System R. waren, die den internationalen Ruf der Fa. begründeten. Er war Mitinhaber des Patentes für den Sprengstoff Ammonal. Die wichtigste Erfindung in der Anfangszeit der Fa. war die R.sche Patentzündung, die 1870 für alle österr.-ung. Metalleinheitspatronen eingeführt wurde. 1898–1908 war der Waffentechniker und Erfinder K. Krnka (s. d.) als Hauptdir. und Konstrukteur bei der Fa. G. R. in Wien III. tätig, von dem fast alle aus diesem Zeitraum und auf den Namen R. lautenden Patente stammen, wie z. B. die 8 mom Repetierpistole M. 7, System R. oder die Pistole R.-Sauer im Kaliber 7.65 mm. Nach R.s Tod führten seine Söhne Karl und Emil R. die Fa. G. R. AG weiter, die um 1910 eine der größten und wichtigsten einschlägigen Betriebe der Welt war, sowohl von der Vielzahl der erzeugten Munitionssorten und -kaliber, als auch von der Entwicklungsarbeit in der Waffen- und Munitionstechnik her. R.s Bruder, Franz R. (1841–1909), Architekt, erbaute u. a. das Raimundtheater in Wien und die Villa Johann R.s am Grundlsee (Stmk.). 1883–86 gehörte er als liberaler Abg. dem Wr. Gemeinderat an.

L.: N. Fr. Pr. vom 23., Wr. Ztg. und Fremden-Bl. vom 23. (beide Abendausg.), Neues Wr. Tagbl., Illustrirtes Wr. Extrabl. und Die Reichswehr vom 24. 11. 1903; Illustrirte Ztg. (Leipzig) vom 10. 12. 1903; J. Mötz, Kleine Geschichte des Munitionskonzerns G. R., in: Dt. Waffenjournal 11, 1983, S. 1378 ff.; A. G. Absenger, 150 Jahre Felixdorf . . ., in: 150 Jahre Felixdorf 1822–1972, o. J., S. 36, 44, 47, 51, 53 f. – Franz R.: N. Fr. Pr. vom 28. 12. 1909; O. Knauer, Der Wr. Gemeinderat 1861–1962, in: Hdb. der Stadt Wien 77, 1962, S. 238.
(J. Mentschl)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 9 (Lfg. 43, 1986), S. 276
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