Rothkirch und Panthen, Leonhard Gf. von (1773-1842), Feldmarschalleutnant und Schriftsteller

Rothkirch und Panthen Leonhard Graf von, Offizier und Schriftsteller. * Parndorf (Burgenland), 6. 11. 1773; † Wien, 10. 6. 1842. Sohn eines Mjr., Vater des Vorigen; wurde 1791 aus der Theresian. Militärakad. als Fahnenkadett zum IR 27 ausgemustert (1794 Lt. im IR 59), doch bereits 1795 in den Gen.Quartiermeisterstab übernommen. Er zeichnete sich im Ersten Koalitionskrieg aus und wurde als Kapitänlt. beim Pionierkorps eingeteilt. Nach der aktiven Teilnahme am Zweiten Koalitionskrieg wurde R. 1801 zum IR4 und 1804 zum IR 50 transferiert, bis er 1806–09 (1807 Mjr. im IR 24 außer der Rangtour) und 1810–13 wieder dem Kriegsarchiv zugeteilt wurde. Gleichzeitig fand er Zugang zum Reformerkreis um Erzhg. Karl Ludwig (s. d.), unter dessen Leitung er die „Anleitungen zur höheren Kriegskunst“ und die „Beiträge zum praktischen Unterricht im Felde“, 1809–11, 8 He., ausarbeitete. 1811–13 leitete er verdienstvoll die auch im Ausland angesehene (später nach Streffleur benannte) „Neue militärische Zeitschrift“. 1809 wurde er außertourlich zum Obstlt. befördert. 1813 ging er als Gen.Stabschef des Kav.Korps Klenau neuerlich ins Feld (1813 Obst.). Für die Erstürmung von Holzhausen in der Völkerschlacht bei Leipzig wurde ihm das Ritterkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens verliehen. In der nachfolgenden Friedenszeit war R. Referent der Grundsteuer-Regulierungshofkomm. und Mitarbeiter an der Katastralvermessungsinstruktion. In der Folge wirkte er (1821 Gen.Mjr.) als Brigadier in Klagenfurt, ab April 1829 in gleicher Funktion in Preßburg (Bratislava) und ab August 1829 in Prag, bis er 1830 mit der Leitung der Geschäfte des Chefs des Gen.-Quartiermeisterstabes betraut wurde (1832 FML). Der Ausbau der Militärgeschichtsschreibung und die Intensivierung der Ausbildung zum Gen.Stabsoff, in jener eher friedlichen Zeit waren die Hauptergebnisse von R.s Wirken. 1840 übernahm er die Stellung eines Kommandierenden Gen. in Innerösterr., Illyrien und Tirol. Das dichter. Werk R.s ist, wie die Widmungen, Formen und Motive bezeugen, etwa zwischen seinem 20. und 40. Lebensjahr entstanden. Er gehörte dem Kreis um K. Pichler (s. d.) an. Eine Smlg. seiner tw. verstreut publ. Ged. erschien erst nach seinem Tod. Der starke Einfluß Schillers und ein unvollendeter Sonettenkranz verdienen bes. Erwähnung. Als einziges seiner neun Dramen wurde das Trauerspiel „Hannibal“ 1814 am Hofburgtheater aufgef. Starke Religiosität, Großmut als tragendes Thema, durch Reimstellen, Strophen und Chöre aufgelockerter Blankvers weisen seine Dramen der Generation H. J. v. Collins zu.

W.: Ged., 1848; Ged. und Szenenausschnitte in Aglaja, Dt. Mus., Archiv für Geographie, Staats- und Kriegskunst. Nachlaß, Hss.Smlg., Österr. Nationalbibl., Wien.
L.: Streffleur, 1844, Bd. 2, S. 145 ff.; F. W. Kosch, Stadt der Gen. – Graz in der 2. Hälfte des 19. Jh., in: Z. des Hist. Ver. für Stmk. 64, 1973, S. 20 f.; Giebisch–Gugitz; Goedeke, s. Reg.; Graeffer–Czikann; Hirtenfeld; Kosch; Kosch, Theaterlex.; Svoboda 1, S. 230 f.; Wurzbach; Neuer Nekrolog der Dt. 20 1844, S. 1027; K. Zitterhofer, Streffleurs Militär. Z. 1808–1908, 1908, S. 3 ff.; C. Pichler, Denkwürdigkeiten aus meinem Leben, hrsg. von E. K. Blümml, 1–2 ( = Denkwürdigkeiten aus Altösterr. 5–6), 1914, s. Reg.; H. Benkiser, L. Gf. v. R. und P. Eine Monographie, phil. Diss. Wien, 1935; Inventar des Kriegsarchivs Wien 1 ( =Inventare österr. Archive 8/1 = Publ. des Österr. Staatsarchivs, Ser. 2), 1953, s. Reg.; J. Ch. Allmayer-Beck Schein und Wirklichkeit. Das Burgtheater und die k. u. k. Armee, 1976, S. 24 f. (Kat.); KA Wien; Mitt. K. Adel, Wien.
(P. Broucek)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 9 (Lfg. 43, 1986), S. 287
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