Rottenberg, Ludwig; eigentl. Lazar (1864-1932), Dirigent und Komponist

Rottenberg Ludwig, Dirigent und Komponist. * Czernowitz (Černivci), 11. 10. 1864; † Frankfurt a. Main (BRD), 6. 5. 1932. Hieß eigentlich Lazar. Stud. an den Univ. Wien (1882/83 und 1884–86) und Czernowitz Jus (Dr. jur.), in Wien auch Geschichte. Seine musikal. Ausbildung erhielt R. in Czernowitz bei A. v. Hřimalý (Violine), in Wien bei R. Fuchs und E. Mandyczewski (beide s. d.), zeitweise auch bei Mahler (s. d.) und H. Wolf. Nach Abschluß seiner musikal. Stud. zunächst als Klaviervirtuose und Konzertbegleiter tätig, wurde er 1888 Dirigent des Orchesterver. des Konservatoriums der Ges. der Musikfreunde in Wien, 1891/92 wirkte er als Erster Dirigent am Stadttheater in Brünn (Brno). 1893 kam R. auf Empfehlung von Brahms (s. d.), zu dessen engstem Freundeskreis er in Wien gehört hatte, und Bülow als Erster Dirigent an das Opernhaus Frankfurt, eine Stellung, die er bis 1926 innehatte. Anschließend war er am Hackschen Konservatorium als Musikpädagoge tätig. R. war ein geschätzter Konzertdirigent (er rief die Frankfurter Opernhauskonzerte ins Leben) und hervorragender Pianist und Konzertbegleiter; von seinen eigenen Kompositionen haben nur die Lieder breitere Resonanz gefunden. Der Schwerpunkt seiner Bedeutung liegt jedoch auf dem Gebiet des Musiktheaters. Auf einer universalen Bildungsgrundlage aufbauend, gelangte R. nicht nur zu von den Zeitgenossen gerühmten werkgetreuen Wiedergaben der Opern Glucks und Mozarts, sondern er war auch Wegbereiter des modernen Opernschaffens seiner Zeit: unter seiner Leitung gelangten u. a. Opern J. Bittners (s. d.), Debussys, Hindemiths (ab 1924 verheiratet mit R.s jüngerer Tochter Gertrud), Kreneks, bes. aber Schrekers in Frankfurt zur Urauff. bzw. dt. Erstauff.

W.: 30 Lieder, 1914; Die Geschwister, uraufgef. 1915 (Oper); Klaviervariationen über ein eigenes Thema, 1924; weitere ca. 170 Lieder; Kammermusik; etc.
L.: Frankfurter Ztg. vom 7. 5. 1932; Die Musik 24, 1931/32, S. 720; Dt. Bühnen-Jb. 44, 1933, S. 112; Baker, 6. Aufl.; Einstein: Riemann, 11. und 12. Aufl.; Wininger; Deutschlands, Österr.-Ungarns und der Schweiz Musiker in Wort und Bild, 1909/10; M. Kalbeck, J. Brahms 3–4, 1912–14, s. Reg.; W. Abendroth, H. Pfitzner, 1935, s. Reg.; L. R. ( = Theater der zwanziger Jahre in Frankfurt a. Main 14), (1964) (mit Werksverzeichnis); H. Schreker-Bures–H. H. Stuckenschmidt–W. Oehlmann, F. Schreker ( = Österr. Komponisten des XX. Jh. 17), (1970), S. 19, 22 f., 94; A. Briner, P. Hindemith, (1971). s. Reg.; G. Skelton, P. Hindemith, 1975, s. Reg.; F. May, J. Brahms 2, Neuaufl. (1983), s. Reg.; UA Wien; Mitt. O. Büthe, Frankfurt a. Main, BRD.
(E. Beck-H. Reitterer)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 9 (Lfg. 44, 1987), S. 293f.
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