Ruault-Frappart, Louis; früher Ruault, Ps. Frappart (1832-1921), Tänzer, Mimiker und Choreograph

Ruault-Frappart Louis, Ps. Frappart, Tänzer, Mimiker und Choreograph. * Bernay (Frankreich), 9. 6. 1832; † Wien, 17. 4. 1921. Hieß bis 1899 Ruault. Stud. in Paris bei Saint-Léon und trat an der Oper und am Théâtre Lyrique als Tänzer auf. Nach Gastspielen in London (Covent Garden Opera, 1852 und 1853), Brüssel und Amsterdam holte ihn Bournonville 1854 ans Kärntnertortheater in Wien, wo R.F. u. a. als Gregorio in „Die Teufelsgeige“ (Choreographie von Saint-Léon) gastierte und im selben Jahr als 1. Komiker und Mimiker (Antrittsrolle: Kellner in Bournonvilles „Ein Fest in Albano“) in den Verband der Hoftheater aufgenommen wurde. Bis 1895 Mitgl. der Hofoper; nicht zuletzt auf sein Wirken ist die Beliebtheit des Wr. Opernballetts in der zweiten Hälfte des 19. Jh. zurückzuführen. Bes. Erfolg hatte er in zwei Balletten P. Taglionis: als Bertrand in „Robert und Bertrand“ und als nobelhumorist. Flick (mit Price, s. d., als Partner) in „Flick und Flock“, dem an der Hofoper meistgespielten Ballett jener Zeit. R.-F. war auch als Choreograph sehr erfolgreich und wirkte ab 1872 als Lehrer für Tanz und Mimik an der 1. dramat. Fachschule. Mehrfach ausgezeichnet, erhielt er anläßlich seiner Pensionierung die Ehrenmitgliedschaft der Hofoper.

Hauptrollen: Coppelius (Coppelia, Musik von L. Delibes); Job (Paquerette, Musik von F. Benoist); Robietzel (Die Marketenderin, Musik von C. Pugni); etc. – Choreographien: Margot, 1880 (Musik von F. Doppler); In Versailles, 1881 (Musik von F. Doppler); Wr. Walzer, 1885 (gem. mit F. Gaul, Musik von J. Bayer); etc.
L.: (meist unter Frappart): Wr. (allg.) Theaterztg. vom 6. und 8. 1. 1854, 14. 1. 1859; Wr. Salonbl. vom 6. 1. und 31. 3., 3. 11. 1895; N. Fr. Pr. vom 20. (Abendausg.), Neues Wr. Tagbl. vom 21. 4. 1921; Neuer Theater-Almanach 6, 1895, S. 149; K. Danhelovsky, Ein Wr. Ballettänzer, in: Wr. Almanach 29, 1920, S. 181; Dt. Bühnen-Jb. 33, 1922, S. 119; H. A. Mansfeld, Theaterleute in den Akten der k. k. Obersten Hoftheaterverwaltung von 1792 bis 1867, in: Jb. der Ges. für Wr. Theaterforschung 13, 1961, S. 85; R. Raab, Grabstätten von Ballettmitgl. des Kärntnertortheaters, der k. k. Hofoper und der Staatsoper, Wien, in: Jb. des Ver. für Geschichte der Stadt Wien 28, 1972, S. 205; Kosel 1; Eisenberg, 1893, Bd. 1; J. Stern, Das Hof-Operntheater 1848–98, in: 50 Jahre Hoftheater 1, (1898), S. 79, 102, 109; V. Junk, Hdb. des Tanzes, 1930; F. Hadamowsky, Die Wr. Hoftheater (Staatstheater) 2 ( = Museion, NF, R. 1, 4/2), 1975, s. Reg.; R. Matzinger, Die Geschichte des Balletts der Wr. Hofoper 1869–1918, 1, phil. Diss. Wien, 1982, s. Reg.; Wr. Stadt- und Landesarchiv, Wien; Mitt. R. Raab, Wien.
(E. Fleissner-Moebius)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 9 (Lfg. 44, 1987), S. 306f.
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