Rückauf, Anton (1855-1903), Komponist, Pianist und Musikpädagoge

Rückauf Anton, Komponist, Pianist und Musikpädagoge. * Prag, 13. 3. 1855; † Wien-Erlaa, 19. 9. 1903. Sohn eines Kaufmannes und Cafetiers; stud. ab 1867 am Prokschinst. in Prag Klavier bei M. Proksch sowie an der Orgelschule bei F. Z. Skuherský (Orgel) und F. Blažek (Theorie). R. trat bereits in jungen Jahren als Komponist hervor und erteilte einige Zeit Unterricht am Prokschinst. 1878 übersiedelte er nach Wien, wo er als Pianist und Lehrer in adeligen Kreisen wirkte und Kontrapunkt bei Nottebohm (s. d.), nach dessen Tod bei K. Navratil sowie 1885 Klavier bei Leschetitzky (s. d.) stud. Von großem Einfluß auf seine weitere künstler. Entwicklung war die Bekanntschaft mit dem Tenor G. Walter: einerseits hatte R. als dessen ständiger Klavierbegleiter großen Erfolg (1882–84 gem. Konzertreise nach Deutschland), anderseits wurde er durch ihn zu zahlreichen Liedkompositionen angeregt. Abgesehen von seiner Tätigkeit als Dirigent des Evang. Singver. in Wien (1899–1901), wirkte R. neben seinem kompositor. Schaffen als Liedbegleiter (zu nennen ist u. a. die Erstauff. der „Vier ernsten Gesänge“, op. 121, von Brahms, s. d.) sowie als Privatlehrer (Klavier-, später Gesangunterricht); A. Schnitzler zählte zu seinen Schülern. R.s Oper „Die Rosentalerin“ (Text von F. Lemmermayer), die in Dresden 1897 unter der Leitung E. v. Schuchs uraufgef. wurde, konnte sich nicht durchsetzen. Seine Bedeutung als Komponist liegt in erster Linie in seinem Liedschaffen. Die von ihm komponierten über 100 einstimmigen Klavierlieder (nach Volksdichtungen und Dichtungen u. a. von Walther von der Vogelweide, K. Stieler und der dt. Romantiker) zeichnen sich durch sorgfältige Deklamation der Singstimme, feinsinnige Empfindungsschilderung, unterstützt durch einen selbständigen, meist schwierigen Klavierpart, und durch vollendete formale Gestaltung aus, wobei einige Lieder große Popularität erlangten.

W.: 18 Liederzyklen, op. 1–3, 6, 9, 12, 14–18, 21–27; Violinsonate, op. 7; Chorlieder für gemischten Chor und Klavier, op. 8; Duette, op. 11; Klavierquintett, op. 13; Chor a capella, op. 19; etc.
L.: Fremden-Bl., N. Fr. Pr. (beide Abendausg.) und Illustrirtes Wr. Extrabl. vom 21. 9. 1903; H. Rietsch, A. R., in: Dt. Arbeit 3, 1903/04, S. 147 ff.; Baker, 6. Aufl.; Biograph. Jb. 8, 1905, S. 297 f.; Einstein; Eisenberg,1893, Bd. 1; Frank-Altmann, 15. Aufl.; Riemann, 11. Aufl.; Schmidl; Thompson; A. Schnitzler, Jugend in Wien, hrsg. von Th. Nickl und H.Schnitzler, (1968), s. Reg.; M. L. McCorkle, J. Brahms. Themat.-bibliograph.Werksverzeichnis, 1984, S. 485; Ch. Böhm, Das Liedschaffen A. R.s, phil. Diss. Wien, 1985.
(I. Fuchs)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 9 (Lfg. 44, 1987), S. 319
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