Ruston, Joseph John (I) (1809-1895), Schiffs- und Maschinenbauer und Industrieller

Ruston Joseph John I, Schiffs- und Maschinenbauer und Industrieller. * London-Poplar, 3. 3. 1809; † Wien, 2. 3. 1895. Ältester Sohn von John J. R. I, dem Besitzer einer Schiffswerft in London-Poplar; erlernte das Handwerk eines Schiffszimmermannes und wurde auch zum Maschinenbauer ausgebildet. 1832 wurde er Schiffsbaumeister in der Werft von Andrews, einem Mitbegründer der Ersten Donau-Dampfschiffahrts-Ges., in Wien-Neu-Leopoldau. 1833–36 erfolgte der Bau der drei Dampfschiffe „Pannonia“, „Zrinyi“ und der von R. geplanten „Nador“. 1839 stellte er nach eigenen Plänen für Andrews das Dampfschiff „Sophie“ für den Traunsee fertig. 1840 entwarf R. für Andrews, dem 1839 ein bedingtes Privilegium zur Dampfschiffahrt auf der Moldau und Elbe von Prag bis an die sächs. Grenze gewährt worden war, die „Bohemia“, die 1840/41 in Karolinenthal (Karlín) bei Prag (als erstes Dampfschiff in Böhmen) gebaut wurde. Nach dem Tod von Andrews (1847) heiratete R. dessen Witwe und kam nach deren Tod (1848) in den Besitz der gesamten Elbeschiffahrt, die er 1851, nach der Fertigstellung der Eisenbahnlinie Dresden–Prag, aufgab. 1854 beteiligte sich R. an den Bemühungen um die Aufnahme der Dampfschiffahrt auf dem Inn und betrieb bis 1859 den Schiffbau an der Donau bei Klosterneuburg, 1857–73 die von Breitfeld & Evans übernommene Werft in der Schwarzlackenau. Ab 1862 besaß er die Traunseeschiffahrt (sein Bruder John J. R. II, 1820–1873, war stiller Teilhaber), welche ab 1895 sein Neffe Joseph J. R. II (1857–1934) weiterführte. 1850 beteiligten sich die Brüder R. an einem Maschinenbauunternehmen in der Nähe von Prag (R. & Evans, ab 1854 R. & Co.), das hervorragende Leistungen erzielte, insbes. im Bau von Dampfkraftanlagen, bei Einrichtungen für Zuckerfabriken, Mühlen, Mais-Spiritusbrennereien, Berg- und Hüttenwerke, Porzellanfabriken und Sägewerke sowie ab 1863 im Brückenbau. Vor allem für Zuckerfabriken wurden zahlreiche neue Konstruktionen entwickelt und eigene Erfindungen verwendet. 1858 wurde die erste Dampflokomobile produziert, 1863 die erste Wasserturbine geliefert. Das Unternehmen engagierte sich ferner schon ab 1852 beim Bau von Schiffsmaschinen und Schiffen und ab 1853 beim Bau von Dampfbaggern. Der Schiffbau konnte allerdings mangels ausreichender Nachfrage nicht kontinuierlich betrieben werden. 1869 übernahm die Prager Maschinenbau-AG (vormals R. & Co.) den Betrieb. R. war ein techn. und kommerzieller Pionierder industriellen Verkehrsentwicklung Österr.

W.: Nachlaß, Techn. Mus. für Ind. und Gewerbe, Wien.
L.: Gmundner Wochenbl. vom 5. 3. 1895; H. Fischer, Einführung und Entwickelung der Dampfschiffahrt auf der Elbe im Kg.Reiche Sachsen, in: Der Civiling., NF 36, 1890, Sp. 282 ff.; E. Kurzel-Runtscheiner, J. J. R. und John J. Ruston, in: Beitrr. zur Geschichte der Technik und Ind. 21, 1931/32, S. 97 ff.; F. Psota, První český parník, in: Svět techniky, 1955, S. 362 ff.; K. Vodrazka, J. J. R. – eine Biographie und ein Aufruf zur Rettung des Dampfschiffes „Gisela“, in: Schiffahrt und Strom 91, 1983, S. 10 f.; R. Hösch, Die beiden Schiffswerften bei Floridsdorf, in: Unser schönes Floridsdorf, 1983, H. 1/2, S. 17 ff.; H. Winkler, Die Schiffahrt auf dem Traunsee, Hallstätter See, Grundlsee, in: Marine – Gestern-Heute, Sonderh. 2, (1983), S. 7 ff.; F. Krackowizer, Geschichte der Stadt Gmunden in Ober-Oesterr. 2, 1899, S. 259 f.; H. Smital, Geschichte der Großgemeinde Floridsdorf, 1903, S. 218, 335 ff.; P. Vrbová, Hlavní otázky vzniku a vývoje českého strojírenství do roku 1918, 1959, S. 33 ff.; 64, 66, 68, 82 f., 87, 93 f., 102; B. Jankó, A magyar dunai gözhajózás története 1817–1947 ( = Hajózástudományi együttmüködési bizottság, Müszaki történelmi sorozat 9), 1968, S. 58 ff.; K. Pilz, Gmunden – allezeit wichtiger Verkehrsknotenpunkt, in: Festbuch der Stadtgemeinde Gmunden . . . 1978, (1978), S. 153 f.; M.Hubert, Z Historie Plavby a Stavby Lodi na Území ČSSR. From the History of Navigation and Shipbuilding on the Territory of Czechoslovakia, in: Čéskoslovenský Lodní Registr. Czechoslovak Register of Shipping 1958–83, 1983, S. 11 f.; W. Ebner, Gisela, 1986, S. 4 ff.; 75 Jahre Maschinenbau. Prager Maschinenbau-AG, vormals R. & Co., o. J.; Haus-, Hof- und Staatsarchiv, Techn. Mus. für Ind. und Gewerbe, beide Wien; Stiftsarchiv Klosterneuburg, NÖ; Mitt. H. Rindt, Bischofsheim, BRD, W. R. Ruston, Brüssel.
(K. Vodrazka)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 9 (Lfg. 44, 1987), S. 336
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