Rzehak, Anton (1855-1923), Geologe, Paläontologe und Prähistoriker

Rzehak Anton, Geologe, Paläontologe und Prähistoriker. * Neuhof b. Nikolčitz (Nový Dvůr u Nikolčic, Mähren), 26. 5. 1855; † Brünn (Brno), 31. 3. 1923. Bruder des Folgenden; stud. ab 1872 an der Techn. Hochschule in Brünn Chemie; als er 1878 als Einjährig-Freiwilliger an der Okkupation von Bosnien teilnahm, schuf er die erste geolog. Beschreibung des Bosnatales. 1880–84 war er an der Techn. Hochschule in Brünn Ass. bei Makowsky (s. d.), den er auch auf seinen Stud.Reisen begleitete. 1884–1905 unterrichtete er Chemie an der Landesoberrealschule in Brünn; 1893 Priv.Doz., 1902 ao. Prof. für Paläontol. und angewandte Geol., 1905 o. Prof. der Mineral. und Geol. an der Dt. Techn. Hochschule in Brünn. Rz. widmete sich von Beginn seiner wiss. Tätigkeit an dem Stud. des Tertiärs und veröff. dazu 71 wertvolle Abhh. Er galt als anerkannter Spezialist für das Stud. der tertiären Foraminiferen. Ebenso interessierten ihn die Spuren des vorgeschichtlichen Menschen in Mähren. Bereits 1879 leitete er in der Brünner Umgebung so erfolgreich Ausgrabungen, daß er als Prähistoriker einen noch größeren Ruf erwarb als als Geologe. Rz.s Name wurde nach der Veröff. des Unterkieferfundes von Ochos (Ochoz) und durch die Untersuchung des sog. Brünner Idols, einer Elfenbeinschnitzerei des Menschen des Aurignaciens, international bekannt. Er verfaßte insgesamt etwa 200 Arbeiten aus dem Bereich der Geol., Mineral., Paläontol. und Prähistorie. Er war u. a. Präs. und Vizepräs. der Mähr. Mus.Ges., Ausschußmitgl. des Dt. Ver. für die Geschichte Mährens und Schlesiens, Ehrenmitgl. des DÖAV und Vorstand des Naturforschenden Ver. in Brünn, dessen Abhh. er hrsg.

W.: Erste geolog. Beschreibung des Bosnathales, in: Verhh. der geolog. Reichsanstalt, 1879, und in: Verhh. des Naturforschenden Ver. in Brünn 18, 1880; Führer in das Höhlengebiet von Brünn (mit aųsführlicher Beschreibung der neuentdeckten Tropfsteinhöhle von Sloup), gem. mit A. Makowsky, 1880, 2. Aufl. 1903; Ueber einige merkwürdige Foraminiferen aus dem österr. Tertiär, in: Annalen des k. k. Naturhist. Hofmus. 10, 1895; 50 Jahre geolog. Forschung in Mähren, in: FS der k. k. techn. Hochschule in Brünn . . ., 1899; Neue prähist. Funde aus Mähren, in: Z. des Ver. für die Geschichte Mährens und Schlesiens 6, 1902; Die Tertiärformation in der Umgebung von Nikolsburg in Mähren, in: Z. des mähr. Landesmus. 2–3, 1902–03; Das Liasvorkommen von Freistadtl in Mähren, ebenda, 4, 1904; Die Schalensteine im westmähr. Granitgebiet, ebenda, 6, 1906; Der Unterkiefer von Ochos, in: Mitt. der anthropolog. Ges. in Wien 36, 1906; Beitrr. zur Kenntnis der Bronzezeit in Mähren, in: Z. des dt. Ver. für die Geschichte Mährens und Schlesiens 10–12, 1906–08; Das Alter des Unterkiefers von Ochos, in: Z. des mähr. Landesmus. 9, 1909; Mähr. Barytvorkommnisse und ihre Genesis, ebenda, 11, 1911; Das „Idol“ aus dem Brünner Löss, in: Z. des Ver. für Geschichte Mährens und Schlesiens 15, 1911; etc. Mitred.: Z. des mähr. Landesmus. lff., 1901 ff.
L.: K. Schirmeisen, A. Rz. †, in: Dt.Mähr. Heimat 9, 1923, S. 113 ff.; Verhh. des naturforschenden Ver. in Brünn 56, 1923, S. XV, 58, 1925, S. XIff.; P. St (rzemcha), Prof. A. Rz. †, in: Z. des dt. Ver. für die Geschichte Mährens und Schlesiens 25, 1923, S. 131 f.; Mannus. Z. für Vorgeschichte 15. 1923, S. 322 f.; † Prof. A. Rz., in: Památky archeologické a místopisné 33, 1923, S. 344; H. Beck, Prof. Dr. A. Rz. †, in: Verhh. der geolog. Bundesanstalt, 1923, S. 129 f.; H. Seger, A. Rz. †, in: Praehist. Z. 15, 1924, S. 163 f.; J. Oppenheimer, A. Rz., in: Mitt. der Geolog. Ges. in Wien 16, 1924, S. 299 ff.; Otto, Erg.Bd. V/2; Poggendorff 4, 6; H. Heller, Mährens Männer der Gegenwart 3, 1889; H. Zapfe, Index Palaeontologicorum Austriae ( = Cat. Fossilium Austriae 15), 1971.
(F. Spurný)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 9 (Lfg. 44, 1987), S. 354
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