Salzer, Matthäus Kaspar (1799-1878), Fabrikant

Salzer Matthäus Kaspar, Fabrikant. * Wien, 11. 1. 1799; † Wien, 4. 1. 1878. Sohn des Böhmerwälder Schneidergesellen Kaspar S. (1741–1811), der auf der Wanderschaft ca. 1767 nach Wien kam, wo er 1784 die Jahnsche Univ.Buchdruckerei und 1798 die„obere“ Papiermühle in Stattersdorf b. St. Pölten erwarb, Vater des Buchdruckers Franz Ser. S. (s. d.), Großvater des Folgenden; erlernte 1811–14 die „Handlung“ in Tulln, anschließend das Sattlergewerbe in Wien. 1817 freigesprochen, übte er aber das Sattlergewerbe nicht aus, da er seinen kränklichen Bruder Franz (1789–1845) bei der Führung der zur Landesfabrik erhobenen Papiermühle in Stattersdorf unterstützte. Nachdem er 1826 eine eigene Gewerbeberechtigung erhalten hatte, wurde die Fa. M. S. protokolliert. Im selben Jahr heiratete er seine verwitwete Schwägerin Apollonia und führte mit ihr in Wien eine Nürnberger Warenhandlung, die sie von ihrem Gatten, Andreas S. (1793–1825), geerbt hatte. S.s wahres Interesse aber galt der Papierfabrikation. 1830 beteiligt er sich am Ankauf einer Papiermühle in Wr. Neustadt, 1840 gründet er mit zwei Gesellschaftern die Ebenfurther Papierfabrik, 1845 gem. mit L. Mayr die Ebenfurther Baumwollspinnerei. 1848 erwarb er die Papierfabrik seines verstorbenen Bruders Franz in Stattersdorf, in der, auf seine Initiative hin, schon 1842 die erste Papiermaschine aufgestellt worden war, als erster Schritt von der handwerklichen zur fabriksmäßigen Papiererzeugung. 1850 erwarb er die Papierfabrik in Obereggendorf. 1859 nahm er seine beiden ältesten Söhne, Matthäus F. X. und Franz Ser., als öff. Gesellschafter in die Fa. auf, die fortan den Namen M. S. & Söhne führte. 1866 kaufte er noch die C. Ueberreutersche Buchdrukkerei und Schriftgießerei und modernisierte auch diesen Betrieb in den folgenden Jahren von Grund auf. S. galt seinerzeit nicht nur als überaus erfolgreicher, sondern auch als sozial denkender Unternehmer. In den von ihm geführten Betrieben gab es eine Reihe freiwilliger sozialer Leistungen, so z. B. die ungekürzte Lohnfortzahlung bei Krankheit und jährlich eine Woche bezahlten Erholungsurlaub.

L.: Neues Wr. Tagbl. vom 6. 1. 1878; Die Presse vom 20. 9. 1973; Die Papier-Ind. 3, 1878, S. 396; Österr. Rundschau 3, 1948, S. 265; Groner; A. Mayer, Wiens Buchdrukker-Geschichte 1482–1882, 2, 1887, s. Reg.; (V. Thiel). Die Buchdrucker- und Papiererfamilie S., (1938), bes. S. 35, 126; (ders.), Die Geschichte der Papiermühle in Stattersdorf, (1948); E. Castle, Geschichte einer Wr.Buchdruckerei 1548–1948, 1948; 100 Jahre Handelskammern in Österr., red. von H. Hager, 1948, S. 117; C. Ueberreuter Druck und Verlag – 100 Jahre im Besitz der Familie S., (1966); G. Holzmann, Unternehmer aus NÖ (= Schriftenr. der Handelskammer NÖ 7), 1967, S. 69 ff.; R. Granichstaedten–Czerva–J. Mentschl–G. Otruba, Altösterr. Unternehmer ( = Österr.-R. 365/367), (1969), S. 104 ff.; G. Martin, 175 Jahre M. S. ’s Söhne, 1973; E. Ittner, Die Entwicklung eines Unternehmens der Druck- und Papierind, an Hand der Fa. M. S.s Söhne, betriebswirtschaftliche Dipl.Arbeit Wien, 1978; A. Durstmüller d. J. –mN. Frank. 500 Jahre Druck in Österr. 2, (1986), s. Reg.
(Th. F. Salzer)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 9 (Lfg. 45, 1988), S. 401f.
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