Sartori, Franz (1782-1832), Schriftsteller

Sartori Franz, Schriftsteller. * Unzmarkt (Stmk.), 7. 3. 1782; † Wien, 31. 3. 1832. Sohn eines fürstlich Schwarzenbergschen Bediensteten; absolv, in Graz die philosoph. Jgg., wobei er bes. Vorliebe für Geographie und Physik zeigte. 1802 Buchhaltungsbeamter in Graz, trat er dann in den Minoritenorden ein, verließ ihn aber 1804, um sich ganz der schriftsteller. Tätigkeit zu widmen. Im selben Jahr übernahm S. die Red. der Grazer „Zeitung für Innerösterreich“, in der er Gegenstände aus der vaterländ. Geschichte und Geographie behandelte. 1806 ging er nach Wien, wo er bes. von dem Naturforscher Schultes gefördert wurde. Von ihm übernahm er 1807 die Red. der „Annalen der Literatur des österreichischen Kaiserthumes“, die er bis 1810 innehatte. 1808 mit einer botan. Arbeit Dr. med. der Univ. Erlangen, war S. ab diesem Jahr auf Empfehlung Erzh. Johanns (s. d.) am Bücher-Revisionsamt in Wien angestellt, ab 1814 bis zu seinem Tod dessen Vorsteher im Rang eines Regierungssekretärs; zeitweise auch Zensor. Ab 1814 red. er die „(Erneuerten) vaterländischen Blätter . . .“, ab 1819 gab er einen sehr reichhaltigen Hauskal, heraus. S. gehört zu den fruchtbarsten Schriftstellern im frühbiedermeierlichen Wien. In rhetor. gewandtem Stil verfaßte er neben zahlreichen Aufsätzen mehr als zwei Dutzend Bücher, vor allem zur Landeskde., Geographie, Geschichte, Kultur- und Naturgeschichte des österr. Kaiserstaates, mit der Zielsetzung, „Vaterlandsliebe durch Vaterlandskunde zu befördern“. In seinen landeskundlichgeograph. Schriften verarbeitete er zwar auch eigene Reiseerfahrungen, doch stellen sie in der Hauptsache unkrit. Kompilationen aus heterogenen Quellen dar. Trotzdem haben S.s einschlägige Schriften das Verdienst, zur Verbreitung der Kenntnis von Naturschönheiten wie von kultur- und naturgeschichtlichen Besonderheiten der österr. Monarchie wesentlich beigetragen zu haben; er hat als einer der ersten anregend auf diesem Gebiet literar. Produktion gewirkt. Seine wertvollsten Arbeiten sind aber die eingehende Dokumentation der Überschwemmung Wiens imJahre 1830 und die „Historisch-ethnographische Übersicht . . .“, die – als Gesamtschau der geistigen Kultur aller Völker des Kaiserstaates geplant – zwar nur in ihrem ersten Tl. (der Darstellung der nicht dt. Literaturen) vollendet wurde, aber doch den Endpunkt jener von Khautz ausgehenden Entwicklungslinie darstellt, in deren Verlauf der Übergang von der Gelehrten- zur Literaturgeschichtsschreibung vollzogen wurde.

W.: Skizzierte Darstellung der physikal. Beschaffenheit der Naturgeschichte des Herzogthumes Steyermark, 1806; Specimen nomenclatoris plantarum phaenogamarum in Styria sponte crescentium, 1808 (Diss.); Grundzüge einer Fauna von Steyermark . . ., 1808; Länder- und Völker-Merkwürdigkeiten des österr. Kaiserthumes, 4 Tle., 1809; Neueste Reise durch Oesterr. ob und unter der Ens, Salzburg, Berchtesgaden, Kärnthen und Steyermark . . ., 3 Bde., 1811; Pantheon denkwürdiger Wunderthaten . . . und furchtbarer Empörer des österr. Gesammt-Reiches, 3 Bde., 1816, Neuausg. als: Lebensbeschreibungen berühmter Helden und einiger Rebellen . . ., 3 Bde., 1844; Taschenbuch für Carlsbads Curgäste, 1817; Die Burgvesten und Ritterschlösser der österr. Monarchie, 8 Tle., 1819–20, 2. Aufl., 12 Tle., 1839–40; Verzeichniß der gegenwärtig in und um Wien lebenden Schriftsteller . . ., 1820; Neueste Geschichten und Beschreibungen der merkwürdigsten Gotteshäuser, Stifte und Klöster . . . in der Monarchie, 2 Tle., 1821; Hist.-ethnograph. Übersicht der wiss. Cultur, Geistesthätigkeit und Literatur des österr. Kaiserthums . . ., 1, 1830; Oesterr. Pantheon. Gallerie alles Guten und Nützlichen im Vaterlande, 4 Bde., 1830–31; Wien’s Tage der Gefahr und die Retter aus der Noth, 2 Bde., 1830–32; etc. Hrsg.: Oesterreichs Tibur oder Natur- und Kunstgemählde . . ., 1819; Gemeinnütziger und erheiternder Haus-Kal, für das österr. Kaiserthum . . ., 1819–33. Red.: Ztg. für Innerösterr., 1804; Neue Annalen der Literatur des österr. Kaiserthumes, 1807–10 (unter wechselnden Titeln); Wr. allg. Literatur-Ztg., 1813–14; (Erneuerte) Vaterländ. BII. für den österr. Kaiserstaat, 1814–20; etc.
L.: Steiermärk. Z., NF 7, 1842, H. 1, S. 56 ff.; K. Adel, Die Anfänge der österr. Literaturgeschichtsschreibung, in: Österr. in Geschichte und Literatur 13, 1969, S. 352 ff.; Giebiseh-Gugitz; Goedeke, S. Reg.; Graeffer-Czikann; Nagl-Zeidler-Castle 2–3, s. Reg.; Wurzbach: J. B. v. Winklern, Biograph, und litterär. Nachrichten von den Schriftstellern und Künstlern, welche in dem Herzogthume Steyermark geboren sind . . ., 1810; F. v. Enzenberg, Beleuchtung der neuesten Reise durch Oesterr. ob und unter der Ens . . ., 1812; F. H. Böckh, Wiens lebende Schriftsteller, Künstler, und Dilettanten im Kunstfache, 1821, S. 44 f.; F. Gräffer, Kleine Wr. Memoiren und Wr. Dosenstücke, hrsg. von A. Schlossar und G. Gugitz, 1 ( = Denkwürdigkeiten aus Altösterr. 13), 1918, s. Reg.; K. Föttinger, F. S. und F. X. Schweickhardt, phil. Diss. wien, 1951; H. Zapfe. Index Palaeontologicorum Austriae – Supplementum ( = Cat. Fossilium Austriae 15a), 1987; UA Graz; UA Erlangen, BRD; Mitt. R. Wittmann, Hausham, BRD.
(H. Reitterer)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 9 (Lfg. 45, 1988), S. 427f.
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