Saudek, Robert (1880-1935), Graphologe und Schriftsteller

Saudek Robert, Graphologe und Schriftsteller. * Kolin (Kolín, Böhmen), 21. 4. 1880; † London, 15. 4. 1935. Entstammte einer alteingesessenen Kaufmannsfamilie; besuchte nach Absolv, des Gymn. die dt. Handelsakad. in Aussig (Ústí nad Labem) und Prag. S. unternahm weite Reisen und lebte längere Zeit – u. a. als Kaufmann – in Berlin und Paris. Ab 1915 in Den Haag, unterhielt er während des Ersten Weltkrieges ein Nachrichtenbüro. 1921 war er im Dienst des tschechoslowak. Außenmin. in Den Haag, ab 1922 in Berlin, 1924–31 in London tätig. Ab 1903 trat S. auch zunehmend als Verfasser (z. Tl. in Zusammenarbeit mit anderen Autoren) von Bühnendichtungen und von Romanen, die anfangs gleichzeitig in dt. und tschech. Sprache, später auch auf Engl., Französ. und Holländ, erschienen und tw. hohe Aufl. erreichten, hervor. 1907 mit dem Roman „Dämon Berlin“ bekannt geworden, beendete S. sein literar. Schaffen 1921 mit dem grapholog. Schlüsselroman „Diplomaten“, um sich von da an ganz der wiss. Graphol. zuzuwenden. Durch eigene Forschungstätigkeit und Publ. bes. auf dem Gebiet der experimentellen Graphol. (z. B. Erforschung von Zwillingshss.) sowie durch Gründung und Hrsg. grapholog. Fachz., aber auchdurch reiche Vortragsund Vorlesungstätigkeit sowie durch Gutachten (u. a. für Gerichte, Ärzte und Firmen) wurde er zu einer international anerkannten Autorität auf diesem Gebiet. Seine experimentelle Untersuchung der Individualität von Hss. kann als zukunftsweisend angesehen werden und ist bis heute gültig, wenn auch im dt.sprachigen Raum gegenüber anderen Methoden umstritten.

W.: (Erstaufl.): Drei Bühnendichtungen der Kinderseele, 1903; Und über uns leuchtende Sterne, 1907 (Roman); Der Mikado, 1909 (Roman); Die Spielerin, 1910 (Roman); Der entfesselte Riese, 1910 (Roman); Eine Heilige und zwei Sünder, 1912 (Roman); Gf. Pepi, gem. mit A. Halm, (1912) (Lustspiel); Seite 105, gem. mit A. Halm, (1914) (Lustspiel); Die Distel, (1918) (Lustspiel); Diplomaten, 1921 (Roman); Wiss. Graphol., 1926; Experimentelle Graphol., 1929; Hss. und Zeichnungen eineiiger Zwillinge, gem. mit E. Seeman-Durham (= Schriftenr. zur grapholog. Zwillingsforschung 1), 1933, auch in: Charakter, 1932; Eine Gymnasiasten-Tragödie, o. J. (Drama); Das Mädchen vom Heiligenwald, gem. mit A. Halm, o. J. (Lustspiel); Kavaliere!, gem. mit R. Lothar, o. J. (Komödie); Billige Weisheiten, o. J. (Essays); Dämon Berlin, o. J. (Roman); Beitrr. in Z. und Ztg.; etc. Übers. aus dem Tschech. Hrsg.: O. Weininger, Gedanken über Geschlechtsprobleme, (1907); Charakter. Eine Vjs. für psychodiagnost. Stud. . . ., 1932–34, engl.: Character and Personality, 1932–35.
L.: The Times vom 16., Neues Wr. Journal vom 17., Neues Wr. Tagbl. vom 18. 4. 1935; Internationales Biograph. Archiv ( Munzinger-Archiv) vom 6. 6. 1935; J. Ph. Heergesell, R. S. †, in: Charakter, 1935, nach S. 115; A. A. Roback, Dr. R. S., in: Character and Personality, 1935, S. 263 ff.; Brümmer; Giebisch-Gugitz; Jüd. Lex.; Kosch; Kosch, Theaterlex. (s.S. Friedrich); Kürschner, Gel. Kal., 1926–35; Masaryk; Otto, Erg.Bd. V/2; Wininger; K. Glossy, 40 Jahre Dt. Volkstheater, (1929), s. Reg.; Mitt. M. Matyas und W. R. Muckenschnabel, beide Wien.
(E. Lebensaft)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 9 (Lfg. 45, 1988), S. 438
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