Saxl, Friedrich (Fritz) (1890-1948), Kunsthistoriker und Kulturhistoriker

Saxl Friedrich (Fritz), Kunst- und Kulturhistoriker. * Wien, 8. 1. 1890; † London, 22. 3. 1948. Sohn eines Advokaten; stud. an den Univ. Wien (1908/09, 1910–12, 1912 Dr. phil.) und Berlin (1909/10) Kunstgeschichte und Archäol. Als Stipendiat des Inst. für österr. Geschichtsforschung in Rom (1912/13) begann er die Katalogisierung der latein. astrolog. Hss. des Mittelalters, ein Projekt, das er später in Wien und England fortsetzte. 1913 wurde er Bibliothekar und wiss. Ass. an der kulturwiss. Bibl. Warburg in Hamburg. Nach seinem Kriegsdienst arbeitete S. 1919/20 im Reichsbildungsamt der dt.-österr. Volkswehr, wo er photograph. Wanderausst. organisierte. 1920 wurde er zum Leiter der Bibl. Warburg ernannt, die er zu einem Forschungsinst. umwandelte, das durch die von ihm hrsg. Vorträge und Stud. bald Weltgeltung erlangte. Nach Warburgs Tod, 1929, wurde er dessen Nachfolger. 1927 ao. Prof. an der Univ. Hamburg. Unter dem Druck der polit. Ereignisse in Deutschland übersiedelte S. 1934 die Bibl. nach London, wo sie zunächst von einigen privaten Spendern abhängig war. Er bemühte sich nun, das Inst. in das engl. Geistesleben einzufügen und im neugegründeten „Journal of the Warburg and Courtauld Institutes“ die Lebensfähigkeit der kulturwiss. Forschungsrichtung unter Beweis zu stellen. Gleichzeitig widmete er seine Forschung auch der mittelalterlichen Kunst Englands, wobei er die Aufmerksamkeit auf den Wert datierbarer Siegel für die Stilgeschichte der Plastik lenkte. 1939 wurde er engl. Staatsbürger, 1941 Mitgl. der British Academy. 1944 wurde das Inst. der Londoner Univ. einverleibt und S. Prof. für History of the Classical Tradition.

W.: Verzeichnis astrolog. und mytholog, illustrierter Hss. des latein. Mittelalters 1–2, in: Sbb. der Heidelberger Akad. der Wiss., phil.-hist. Kl. 1915–27, auch selbständig, 3: Cat. of Astrological and Mythological Illuminated Manuscripts of the Latin Middle Ages, gem. mit H. Meier, hrsg. von H. Bober, 1953; Dürers „Melencolia I“, gem. mit E. Panofsky ( = Stud. der Bibl. Warburg 2), 1923; Antike Götter in der Spätrenaissance ( = ebenda, 8), 1927; Mithras. Typengeschichtliche Untersuchungen, 1931; La fede astrologica di Agostini Chigi ( = La Farnesina 1), 1934; Rembrandťs Sacrifice of Manoah ( = Stud. of the Warburg Inst. 9), 1939; British Art and the Mediterranean, gem. mit R. Wittkower, 1948; English Sculptures of the Twelfth Century, hrsg. von H. Swarzenski, 1954; Lectures, 2 Bde., hrsg. von G. Bing, 1957 (mit Werksverzeichnis); Saturn and Melanchoły. Stud. in the History of Natural Phil., Religion and Art, gem. R. Klibansky und E. Panofsky, (1964); The History of Warburg’s Library (1886–1944), in: E. H. Gombrich, A. Warburg. 1970, dt. 1981; etc. Hrsg.: Stud. der Bibl. Warburg 1 ff., 1922 ff.; Vorträge der Bibl. Warburg 1 ff. 1923 ff.; Stud. of the Warburg Inst. 1 ff., 1936 f.; etc.
L.: The Times vom 27. 3. 1948; G. Webb, in: The Burlington Magazine 90, 1948, S. 209 f.; Journal of the Warburg and Courtauld Inst. 10, 1948; Wort in der Zeit, 1960, H. 1, S. 63; Hdb. der Emigration; Kürschner, Gel.Kal., 1931; G. Bing, in: F. S. 1890–1948, hrsg. von D. J. Gordon, 1957, S. 1 ff.; Dictionary of National Biography (1941–50), 1959; E. H. Gombrich, A. Warburg ( = Europ. Bibl. 12), 1981. s. Reg.; U A Wien.
(E. H. Gombrich)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 46, 1990), S. 7
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