Schachner, Friedrich (1841-1907), Architekt

Schachner Friedrich, Architekt. * Atzenbrugg (NÖ), 14. 12. 1841; † Wien, 7. 11. 1907. Sohn des Verwalters der Stiftsherrschaft Atzenbrugg und späteren Bez. Vorstehers von Mödling, Johann S.; arbeitete zunächst bei A. Schwendenwein, stud. 1863 Ornamentik bei van der Nüll (s. d.) an der Wr. Akad. der bildenden Künste und war anschließend im Atelier der Architekten Romano (s. d.) und Schwendenwein tätig; ab 1866 selbständiger Architekt in Wien. 1867 Juror bei der Pariser Weltausst, wurde S. mit dem Ritterkreuz der französ. Ehrenlegion ausgezeichnet; 1869 Mitgl. der Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens, 1902 Baurat. In den 80er Jahren beschäftigte er sich intensiv mit der Gestaltung des Platzes vor der Karlskirche in Wien und nahm am Wettbewerb zum Bau des K. Franz Josef-Stadtmus. teil. Bei der Engeren Konkurrenz (1902) erhielt S.s Projekt vom Preisgericht die Stimmenmehrheit gegenüber dem Sieger der Vorkonkurrenz (1901) O. Wagner. Der Mus.Bau kam jedoch nicht zur Ausführung. Bei seinen frühen Bauten folgte S. röm. Palastvorbildern der Renaissance (er unternahm alljährlich ausgedehnte Stud.Reisen nach Italien), seine späteren Werke zeigen ihn als typ. Vertreter des Späthistorismus.

W.: Palais Erlanger, gem. mit K. Riess, 1866, Palais Wittgenstein, 1871–73 (beide Wien IV.); Palais Sessler v. Hertzingcr, 1872 (Graz); Hotel Austria, 1873/74 (Gmunden); Palais Haas, 1875 (Wien IV.); Erweiterungsbau des Künstlerhauses, gem. mit A. Streit, 1881/82, Privilegierte Allg. Verkehrsbank, 1881–83 (beide Wien I.); Rainerhof, 1885–87, Fassade der Stadtpfarrkirche St. Egid, 1893–97 (beide Klagenfurt); Warenhaus Esders „Zur großen Fabrik“, 1894/95 (Wien VII.); Palais Bratmann, 1897–99 (Wien III.); Türme und Fassade der Univ. Kirche, 1900/01 (Innsbruck); Kroat.-Slawon. Landes-Hypothekenbank, 1903/04 (Agram); Kriegerdenkmal 1805, 1905 (Dürnstein, NÖ); etc.
L.: N. Fr. Pr. vom 15. 6. 1902, 7. 11 (Abendausg.) und 8. 11. 1907; Die Zeit und Neues Wr. Tagbl. vom 7. 11. 1907 (beide Abendausg. 1; Dt. Bauztg. 41, 1907, S. 692; Eisenberg, 1893, Bd. 1; Thieme-Becker; Wurzbach (s. unter Schanliner Rudolf); R. Schmidt, Das Wr. Künstlerhaus . . . 1861–1951, 1951, S. 14, 22, 51 f., 58, 63, 71, 76, 81, 83. 85, 107, 113, 115, 127, 139. 175 f., 180; R. Wagner-Rieger, Wiens Architektur im 19. Jh., 1910, s. Reg.; A. Kieslinger, Die Steine der Wr. Ringstr. ( = Die Wr. Ringstr.4), 1972, s. Reg.; Die Kunsldenkmtäler Wiens. Die Profanbauten des III., IV. und V. Bez., bearb. von G. Hajós und E. Vaneesa ( = Österr. Kunsttopographie 44), 1980, s. Reg.; O. Wagner und das K. Franz Josef-Stadtmus. Das Scheitern der Moderne in Wien, Wien 1988, S. 11 ff., 19f., 40f., 44, 46, 48 ff., 571., 62, 65f., 74 ( Kat.).
(M. Stern)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 46, 1990), S. 18f.
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