Schälzky, Robert (Johann) (1882-1948), Abt-Hochmeister

Schälzky Robert (Johann), OTeut., Abt-Hochmeister. * Braunseifen (Ryžoviště, Mähren), 13. 8. 1882; † Lana (Südtirol), 26. 1. 1948. Sohn eines Webermeisters; trat 1903 in den Dt. Ritterorden ein, 1906 feierliche Ordensprofeß. Stud. 1903–07 in Brixen Theol. Nach der Priesterweihe (1907) Kooperator in Freudenthal (Bruntál), dann bis zur Ernennung zum Pfarrer und Dechant (1929) Katechet in der Bürgerund Mittelschule. S. war 1909–21 Präses des kath. Volksver., 1914–22 stellvertretender Diözesanpräses der Jugendarbeit, 1918–26 Obmann der Dt. Christlich-Sozialen Volkspartei in Mähren-Schlesien und 1919–21 Vizebürgermeister von Freudenthal, 1920–25 Abg. im Prager Parlament. Ab 1927 Präs. des Volksbundes dt. Katholiken in Mähren und Schlesien. Schon ab 1926 in führenden Ordenspositionen bei der Umwandlung des Ritterordens zum rein klerikalen Orden (ab 1929) tätig, wurde er 1936 zum Generaloberen gewählt, als Hochmeister inthronisiert und zum Abt geweiht. Neben Weihbischof Schinzel von Olmütz (Olomouc) und seinem Amtsvorgänger im Orden, Heider (s. d.), gehörte S. zweifellos zu den führenden Priesterpersönlichkeiten der dt. Volksgruppe im mähr.schles. Raum. Dem im Reichsgau Sudetenland und Protektorat Böhmen-Mähren 1939 aufgelösterr und enteigneten Orden konnte sich der mit seinen Generalräten 1942 (ein Generalkapitel war nicht durchführbar) vom Papst in seinen Funktionen bestätigte Hochmeister nach seiner Konfmierung in Troppau (Opava) nur bedingt widmen, indem er bei den führenden staatlichen und kirchlichen Stellen in Berlin gegen das staatliche Vorgehen Protest einlegte. Trotz aktiver Gegnerschaft zu den Nationalsozialisten wurde S. nach Kriegsende vom neuen Regime inhaftiert und der Orden in die alten Rechte nicht wieder eingesetzt. Da man S. rechtlich nicht belangen konnte, wurde er Anfang 1946 unter demütigenden Umständen nach Österr. abgeschoben. Phys. und psych, merklich gezeichnet, versuchte S. dennoch von Wien aus, den von Berlin, Prag und Belgrad aus verfolgten Orden neu zu sammeln und auf ein tragfähiges Fundament zu stellen.

W.: Der Volksbund dt. Katholiken für Mähren-Schlesien, in: Die dt. Katholiken in der Tschechoslowak. Republik, hrsg. von H. Donat, 1934. Nachdruck 1971; Parlamentsreden in Das Volk, 1920–25; etc.
L.: Heimat vom 14. 2. 1958; Volksbote vom 26. 1. 1973; Die Furche vom 10. 2. 1973; Sudetendt. Ztg. vom 7. 9. 1984; V. U(čak), in: Věstník križniškega reda 6, 1936, S. 25 ff.; Mitt. des Dt. Ordens 1, 1936, S. 1 ff.; J. Ehrlich, in: Der Altvaterbote 5, 1952, S. 365 f.; Schles.-mähr. Volkskai, für das Altvaterland 56, 1957, S. 65 f.; Altvater-Jb. 1973, (1973), S. 57 ff.; R. Hackenberg, ebenda, 1987, (1987), S. 94 ff.; Köpfe der Politik, Wirtschaft.Kunst und Wiss. in Europa. Tschechoslowak. Republik, 1936, S. 218 f.; J. César B. Černý, Politika německých buržouzních stran v Československu 1918–36, 1, 1962, S. 241, 2, 1962, S. 563; R. Hackenberg, in: Ein Leben – Drei Epochen, hrsg. von H. Glassl und O. Pustejovsky, 1971, S. 345 f., 351 ff.; P. Buhl, Troppau von A–Z, 2. Aufl. 1979; Dt. Ordens-Zentralarchiv, Wien; Staatliches Gebietsarchiv, Opava, ČSSR.
(B. Demel)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 46, 1990), S. 26
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