Schafzahl, Franz X. (1767-1818), Ringelschmied und Erfinder

Schafzahl Franz X., Ringelschmied und Erfinder. * Graz, 12. 12. 1767; † Wien, 4. 12. 1818. Sohn eines Ringelschmieds; erlernte dieses Handwerk vermutlich in Graz, wo er nach seiner Heirat (1792) dieses Gewerbe betrieb. Er weitete den Betrieb wohl bald stark aus und dürfte auch schon erste techn. Experimente, u. a. mit einer Maschine zur Schnallenerzeugung, durchgeführt haben. 1803 erhielt S. die Fabriksbefugnis und eröffnete bereits 1804 eine Niederlage in Wien; dem Geldmangel suchte er anscheinend durch die wiederholte Aufnahme von Gesellschaftern abzuhelfen (1804 J. Bublay, 1805 Dr. J. v. Lederer). In diese Zeit dürfte auch seine Erfindung einer Nägel-Schmied- und Preßmaschine fallen, mit der man Schnittnägel schneller als im handwerklichen Verfahren herstellen konnte. Diese Maschine, die sich an engl. Vorbildern orientierte, an deren Konstruktion aber auch der Grazer Uhrmacher F. Schmid Anteil gehabt haben dürfte, war die erste ihrer Art in Österr. und erlangte bald eine gewisse Berühmtheit. Versuche, ein ausschließliches Privileg darauf zu erhalten, hatten erst 1815 Erfolg und konnten den finanziellen Zusammenbruch seiner Fabriken (1817 Konkurs) nicht mehr verhindern. Mit S.s Maschine ließen sich durchaus brauchbare Nägel erzeugen, doch konnte sich der Schnittnagel auf die Dauer nicht gegen die maschinell aus Draht hergestellten Nägel durchsetzen. S.s Lebenslauf weist ihn als eine der typ. Erfinderfiguren der Epoche der frühen Industrialisierung aus, die zwar über viel prakt. Geschick und techn. Interesse verfügten, denen aber genügend Kapital, kaufmänn. Kenntnisse und wohl auch oft die charakterlichen Eigenschaften fehlten, um aus ihren Einfällen Gewinn zu ziehen.

L.: K. Steiner, in: Bll. für Heimatkde. 13, 1935, S. 19ff.; Exner, Gewerbe und Erfindungen 1, S. 377; Slokar, s. Reg.; Finanz- und Hofkammerarchiv, Wr. Stadt- und Landesarchiv, beide Wien; Steiermärk. Landesarchiv, Stadtarchiv, beide Graz.
(J. Mikolctzky)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 46, 1990), S. 30
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