Schaller, Johann Nep. (1777-1842), Bildhauer

Schaller Johann Nep., Bildhauer. * Wien, 31. 3. 1777; † Wien, 15. 2. 1842. Bruder des Malers Anton F. S. (s. d.), Stiefvater des Bildhauers J. Preleuthner (s. d.), Onkel des Folgenden; ab 1789 Schüler der Wr. Akad. der bildenden Künste, ab 1791 auch Bossiererlehrling an der Wr. Porzellanmanufaktur, trat S. 1792 in die Bildhauerkl. der Akad. ein. Er erhielt mehrere Preise und wurde durch Caucig (s. d.) und den Kurator, J. Ph. Gf. Cobenzl, gefördert. 1801 Modellmeister, 1811 Obermodelleur der Porzellanmanufaktur. 1812–23 war S. als Stipendiat in Rom, wo er von Canova (s. d.) betreut wurde, Anregungen empfing und sich dem Künstlerkreis der Nazarener anschloß. Sein Versuch, deren Ideen nach der Rückkehr nach Wien in der Skulptur umzusetzen, gab der österr. Bildhauerei der Zeit neue Impulse. Einer Aufforderung Kg. Ludwigs I. von Bayern, nach München zu kommen, folgte S. zwar nicht, arbeitete aber mehrmals für die Walhalla. Ab 1823 Prof. der Bildhauerei an der Wr. Akad., war S. der Lehrer eines Großteils der jüngeren Bildhauergeneration, die später beim Bau der Wr. Ringstraße tätig war. Auch unter den Malern (J. Binder, Ranftl, beide s. d., E. Schaller, L. Schulz, H. und J. Schwemminger und Schwind) versuchte er seine Ideen zu verbreiten. Trotz der seinen künstler. Tendenzen gegenüber nicht sehr aufgeschlossenen Zeit des Wr. Vormärz –einige seiner Schüler gingen nach München – ist S.s Einfluß auf die nachkommende Künstlergeneration als Bindeglied zwischen Klassizismus und romanţ. Historismus der Jh. Mitte nicht zu unterschätzen. Bis zu seinem Tod war S. auch künstler. Berater der Porzellanmanufaktur. 1823 Ehrenmitgl., 1835 o. Mitgl. der Accad. di San Luca in Rom. Sein Sohn Hieronymus S. (1825–72) war im Baudepartement der Niederösterr. Statthalterei tätig und erstellte den endgültigen Plan für die neugot. Pfarrkirche in Siebenhirten bei Mistelbach (NÖ).

W.: Philoktet, 1808/09 (Blei), K. Franz I., 1815 (Büste), Bellerophon im Kampf mit der Chimaira, 1821 (alle Österr. Galerie, Wien); Madonna mit Kind, 1825 (Gußeisen, Schottenstift, Wien); Fürst Metternich, 1825 (Büste, Neue Pinakothek, München); A. Hofer, 1827–33 (Marmor, Hofkirche, Innsbruck); Hl. Margarete, 1836 (Brunnenfigur, Blei, Wien V.); K. Franz I., 1837 (Statue, Blei, Stanislau/Ivano Frankivs’k, UdSSR); etc. Zahlreiche Zeichnungen (Kupferstichkabinett der Akad. der bildenden Künste, Wien).
L·: Wr. Ztg. vom 19. 2. 1842; Kurier vom 12. 4. 1977; ADB; Bénezit; Kosch, Kath. Deutschland; Müller-Singer; Nagler; Otto; Révai; Seubert; Thieme-Becker; Wurzbach; L. Hevesi, Oesterr. Kunst im 19. Jh., 1903. S. 38 f.; B. Grimschitz, in: Die bildende Kunst in Österr. 6, hrsg. von K. Ginhart, 1943, S. 193 f.; W. Wagner, Die Geschichte der Akad. der bildenden Künste in Wien ( = Veröff., der Akad. der bildenden Künste in Wien, NF 1), 1967, s. Reg.; W. Mrazek-W. Neuwirth, Wr. Porzellan 1718–1864 ( = Österr, Mus. für angewandte Kunst - Kat., NF 3), 1971, S. 47; S. Krasa-Florian, J. Nep. S. 1777–1842, (1977); dies., in: Wien 1815–48. Bürgersinn und Autbegehren, hrsg. von R. Waissenberger, 1986, s. Reg. - Hieronymus S.: F. Stubenvoll, in: Wr. Geschichtsbll. 44, 1989, S. 82 f.
(S. Krasa-Florian)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 46, 1990), S. 34f.
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