Schember, Konrad (Conrad) (1811-1891), Industrieller

Schember Konrad (Conrad), Industrieller. * Helsa b. Kassel, Hessen (BRD), 24. 9. 1811; † Wien, 1. 2. 1891. Entstammte einer Pastorenfamilie; erlernte das Schlosserhandwerk und war in Wien ab 1836 in der ersten österr. Brückenwaagenfabrik von Rollé und Schwilgué als Maschinenarbeiter tätig. Im Jänner 1838 trat S. in die Werkstätte der K. Ferdinandsnordbahn ein, die ihn bald nach Lüttich-Seraing zur Erlernung des Lokomotivbaues in die Maschinenfabrik des J. Cockerill schickte. Im selben Jahr kehrte er als Monteur und Lokomotivführer zurück; 1845 ging er als Werkführer bzw. Oberwerkführer in die Eisenbahnwerkstätten nach Pardubitz (Pardubice), dann nach Böhm. Trübau (Česká Třebová) und schließlich nach Prag und wurde 1850 in den Staatsdienst übernommen. S. schloß schließlich mit dem Brükkenwaagen-Fabrikanten L. Simon einen Ges.Vertrag und machte sich 1852 mit einer kleinen Werkstätte zur Erzeugung von Brückenwaagen in Wien II. selbständig, der Keimzelle für die 1872 gegründete Brückenwaagen- und Maschinenfabrik von C. S. und Söhne. Ein späterer Standort in Wien III. war bereits mit Dampfbetrieb ausgestattet; das Erzeugungsprogramm wurde allmählich erweitert: neben Brükkenwaagen mit bes. Tragfähigkeit erzeugte man auch Präzisions- und Handwaagen. 1875 belegten 14 firmeneigene Patente S.s Beitr. zur techn. Entwicklung; sie waren die Grundlage für die Entfaltung des Unternehmens. Als Erfindungen seien hervorgehoben: eine Lokomotiv-Brückenwaage, die die Belastung jedes einzelnen Rades ermittelte, wodurch Gewichtsdifferenzen erkannt und durch Regulierung der Federn die Laufsicherheit erhöht werden konnte, und eine Waggon-Brückenwaage ohne Gleisunterbrechung, die kostspielige oder wegen Geländeschwierigkeiten oft schwer ausführbare Nebengleise ersparte. Auf Wunsch der ung. Regierung eröffnete S. 1878 eine Schwesternfabrik in Budapest. 1883 schied er aus dem Unternehmen aus und überließ es seinen Söhnen Carl August (1838– 1917), Ludwig (1839–86) und Albert (1845–1911). 1887/88 wurden die Fabriksanlagen in Wien-Atzgersdorf errichtet. S. war es gelungen, unter Nutzung seiner Erfindungen und insbes. im Hinblick auf eine Marktlücke im aufkeimenden Eisenbahnwesen ein Großunternehmen aufzubauen, das in der Folge führend blieb.

L.: N. Fr. Pr. und Neues Wr. Tagbl. vom 3., Illustrirtes Wr. Extrabl vom 3. und 4. 2. 1891; Wr. Ztg. vom 8. 8. 1903, S. 58 (Jubiläums-Festn.); Groner; Großind. Österr. 3, S. 289ff.; Die Bürger Wien’s in Wort und Bild, hrsg. von A. Eckstein, 1890; 100 Jahre S. Waagen 1852–1952, 1952; R. Granichstaedten-Czerva – J. Mentschl-G. Otruba, Altösterr. Unternehmer ( = Österr.-R. 365/367), (1969); F. Opll, Liesing, (1982), S. 177; M. Wehdorn – U. Georgeacopol-Winischhofer,Baudenkmäler der Technik und Ind. in Österr. 1, (1984), s. Reg.; Die S. Chronik, (1984); Mitt. W. Filek-Witiinghausen und H. Janetschek, beide Wien.
(J. Mentschl)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 46, 1990), S. 74
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