Schemua, Blasius (1856-1920), Feldmarschalleutnant

Schemua Blasius, General. * Klagenfurt, 2. 1. 1856; † ebenda, 21. 11. 1920. Sohn eines Off., Bruder des Folgenden; wurde aus der Theresian. Militärakad. in Wr. Neustadt 1874 als Lt. zum IR 7 ausgemustert. S. gehörte als Truppenoff. 1879–81 der österr.-ung. Off.Mission in Persien an, frequentierte 1882–84 die Kriegsschule in Wien und stand ab 1885 in Gen.Stabsdienstleistung (1887 Hptm. im Gen.Stabskorps). Nach der’ Verwendung als Lehrer an der Kriegsschule 1894–97 und den obligaten Truppendienstleistungen (1898 Obst. im Gen.Stab) war S. ab 1902 Kmdt. des IR 66, ab 1905 der 55. Inf.Brig., schließlich, nach der Beförderung zum GM (1905), ab 1908 Kmdt. der 18. Inf.Truppendiv. 1910 wurde er als Sektionschef in das Kriegsmin. berufen. Als Erzh. Franz Ferdinand (s. d.) beim K. die Ablösung des Kriegsministers Schönaich durchsetzen konnte, mußte er konzedieren, daß S. 1911 Conrad (s. d.) als Chef des Gen.Stabes der Gesamten bewaffneten Macht ablöste. S. betrieb im folgenden Jahr verstärkt den Ausbau der Armee, ließ die Aufmarschvorbereitungen für die Kriegsfälle R(ußland), B (alkan) und I(talien) weiter bearbeiten und festigte die Absprachen mit dem dt. Gen.Stabschef für den Mobilisierungsfall. Erhöhte Kriegsgefahr am Balkan (2. Balkankrieg) veranlaßte Franz Ferdinand, Conrad neuerlich zu berufen; S. wurde 1912 als FML mit dem Kmdo. des XVI. Korps in Ragusa (Dubrovnik) betraut. 1914 Kmdt. des II. (Wr.) Korps, führte er dieses im Rahmen der 4. Armee beim Sommerfeldzug gegen Rußland. S. wurde vom Armeeoberkmdo. als einer der Schuldigen an der nicht geglückten doppelten Umfassung der Russen in der Schlacht bei Komarów (Polen) angesehen und im September 1914 des Kmdo. enthoben, jedoch zum Kmdt. der Donaulinie Krems-Preßburg/Bratislava ernannt, die einen befürchteten Donauübergang der Russen nach einer eventuellen Durchbrechung der österr.-ung. Front verhindern sollte. Nach Abebben der Gefahr wurde er im März 1915 pensioniert. 1912 Geh. Rat. S. beschäftigte sich mit philolog., philosoph. und ethnograph. Problemen und unternahm ausgedehnte Stud.Reisen.

L.: N. Fr. Pr. vom 13. 2. 1914 und 3. 4. 1915 ( Abendausg.); RP vom 23. 11. 1920; Vedette vom 16. 12. 1905, 6. 12. 1913 und 21. 2. 1914; Armeebl. vom 5. 3. 1914; ÖWZ vom 17. 12. 1920 und 28. 1. 1921; Duschnitz-Hoffmann (Generalität), S. 47; Lustig-Prean, S. 90; Svoboda 2, S. 634, 3, S. 67; J. Mann, FML B. S., Chef des Gen.Stabes am Vorabend des Weltkrieges 1911–12, phil Diss. Wien, 1978; KA Wien.
(P. Broucek)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 46, 1990), S. 76
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