Schestag, Franz (1839-1884), Kunsthistoriker

Schestag Franz, Kunsthistoriker. * Mähr.-Schönberg (Šumperk, Mähren), 20. 7. 1839; † Sulz i. Wienerwald (NÖ), 26. 6. 1884. Vater des Vorigen; stud. 1857/1858 an der Univ. Wien zunächst Jus, 1858–63 klass. Philol., Kunstgeschichte bei R. Eitelberger (s. Eitelberger-Edelberg), Geschichte bei A. Jäger (s. d.) und war 1861–63 o. Mitgl. des Inst. für österr. Geschichtsforschung. Mit Eitelberger bereiste er 1863 die Kronländer der Habsburger monarchie, um aus off. und privatem Kunstbesitz Leihgaben auszuwählen, die zum Grundstock des 1864 gegründeten Österr. Mus. für Kunst und Ind. wurden. Zum Kustos dieses Mus. ernannt, baute er in den folgenden Jahren dessen Bibl. auf, richtete die Ornamentstichsmlg. ein, er stellte für beide Abt. die ersten wiss. brauchbaren Kat. und betreute die Veröff. von Vorlagebll. für Treibarbeiten der dt. Renaissance. Im Sinn der praxisbezogenen Kunstwiss. des Historismus war der techn. Aspekt, die Anregung des zeitgenöss. Kunsthandwerks durch didakt. Aufbereitung hist. Vorbilder, das Kriterium seiner Musealtätigkeit. Daneben katalogisierte er die Smlg. Anselm Rothschild in Wien. 1876 zum Kustos und Leiter der administrativ reorganisierten, ca. 300.000 Bll. umfassenden Kupferstichsmlg. ernannt, gehörte er in dieser Position der Prüfungskomm., welche die vom Hof erteilten Kunstaufträge zu begutachten hatte, als beratendes Mitgl. an. 1883 wurde ihm die Organisation einer internationalen Graphikausst. in Wien übertragen. Seine letzten Jahre widmete er der Dokumentation der Kunstbestrebungen des habsburg. Erzhauses und konnte eine grundlegende Publ, über den Triumphzug Maximilians I. veröff., während die – bedingt durch seinen frühen Tod – als Fragment zurückgebliebene Abh. über das Gebetbuch desselben später von Chmelarz (s. d.) fortgeführt wurde und seine als Referent der Central-Comm. zur Erforschung und Erhaltung der Kunst- und hist. Denkmale durchgeführten Forschungen zur Kunsttopographie von Salzburg über Vorarbeiten nicht mehr hinausgelangten. S., ab 1878 Mitgl. der Central-Comm., galt als exzellenter Kenner der graph. Künste, dessen quellen- und stilkrit. Arbeiten der Methodik der frühen Wr. kunsthist. Schule verpflichtet waren.

W.: Kat. der Bibl. des k. k. österr. Mus. für Kunst und Ind., 1865, Neuausg. 1869; Illustrirter Kat. der Ornamentstich-Smlg. des k. k. österr. Mus. für Kunst und Ind., 1865, 2. Ausg. 1871; Cat. der Kunstsmlg. des Frh. A. v. Rothschild in Wien, 2 Tle., 1866–72; Gefässe der dt. Renaissance (Punzenarbeiten), 1876; K. Maximilian I. Triumph, in: Jb. der kunsthist. Smlg. des Allerhöchsten K. Hauses 1, 1883; etc. Red.: Repertorium für Kunstwiss. 1, 1876.
L.: E. Chmelarz, in: Mitth. des k. k. Oesterr. Mus. für Kunst und Ind. 19, 1884, S. 145ff.; ders., in: Jb. der kunsthist. Smlg. des Allerhöchsten K. Hauses 3, 1885, S.94; ders., ebenda, 3, 1885, S. 108ff.; MIÖG 6, 1885. S. 197; J. v. Schlosser, in:MIÖG, Erg.Bd. 13, 1934, S. 213; Lhotsky 2, S. 573; Lhotsky, Inst., S. 97, 208; Santifaller, n. 20; J. v. Falke, Nekrolog R. v. Eitelberger, 1885, auch in: Wr. Ztg. vom 20.–22. 5. 1885; R. Eitelberger v. Edelberg, Ges. kunsthist. Schriften 2, 1879, S. 102ff.; J. v. Falke, Lebenserinnerungen, 1897, S. 198; Das k. k. österr. Mus. für Kunst und Ind. 1864–1914, 1914, S. 191; E. Springer, Geschichte und Kulturleben der Wr. Ringstr. ( = Die Wr. Ringstr. 2), 1979, S. 267.
(E. Lachnit)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 46, 1990), S. 95
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