Scheyer, Moriz (1886-1949), Journalist und Schriftsteller

Scheyer Moriz, Journalist und Schriftsteller. * Focşani (Rumänien), 27. 12. 1886; † Belvès (Frankreich), 29. 3. 1949. Sohn eines Kaufmannes; stud. ein Semester an der Dt. Univ. Prag und 1906–09 an der Univ. Wien Jus, 1911 Dr. jur. (1942 Aberkennung des Titels). S., der kriegsdienstuntauglich war, zeigte sich als überzeugter Kriegsgegner, so in einem am 17. 11. 1914 in der „Arbeiter-Zeitung“ veröff. Ged. Vermutlich seit 1915 Mitarbeiter, war er ab 1917 als Feuilletonredakteur, Schauspiel- und Literaturreferent beim „Neuen Wiener Tagblatt“ (bzw. „Neuen Wiener Abendblatt“) tätig. S. verfaßte Premierenberr., Buchbesprechungen, wobei er sich stets als Freund der dt.sprachigen Gegenwartsliteratur (bes. Schnitzler, aber auch Beer-Hofmann, Bahr und Hofmannsthal, alle s. d.) erwies, aber auch Film- und Konzertkritiken, Nachrufe und insbes. Reiseberr. In seltenen Fällen, wie etwa anläßlich des Todes von Bundeskanzler Dollfuß (s. d.), wurde auch das Tagesgeschehen einbezogen; sein haupsächliches Interesse galt aber stets kulturellen Belangen. Das zeigt sich auch in S.s selbständigen Veröff., wie etwa in seinem Vorwort zu einer Kunstmappe des galiz. Malers M. Gottlieb (1923), aber auch in den ab 1920 erschienenen Smlgg. von Essays und Novellen. In diesem Zusammenhang bes. hervorzuheben sind die biograph. Skizzen über verschiedene bedeutende Künstler. Im Februar 1938 erschien S.s letzter Beitr. für das „Neue Wiener Tagblatt“, im August desselben Jahres emigrierte er nach Frankreich, wo im Juni 1939 in den „Nouvelles d’Autriche“ noch ein kurzer Beitr. zum Tod J. Roths (s. d.) erschien. Zweimal wurde S. verhaftet und interniert, beide Male gelang ihm die Flucht. Bis zum Kriegsende fand er Unterschlupf in einer von Geistlichen geführten Anstalt in Belvès. Obwohl zur Rückkehr aufgefordert, hat S. Österr. nie wieder betreten.

W.: Europäer und Exoten, 1920 (Essays); Tralosmontes, 1921 (Novellen); Schrei aus der Tropennacht, 1926 (Novellen); Flucht ins Gestern, 1927 (Essays); Menschen erfüllen ihr Schicksal, (1931) (Essays); Erdentage des Genies, (1938) (Essays); usw. Smlg. von Feuilletons, Sozialwiss. Dokumentation (Tagbl.-Archiv), Kammer für Arbeiter und Angestellte, Wien.
L.: Neues Wr. Tagbl. vom 10. und 20. 1. 1938; Neues Österr. vom 8., Die Presse vom 9. 4. 1949; Amtsbl. der Stadt Wien vom 8. 4. 1959 und 13. 1. 1962; Giebisch-Gugitz; Jb. der Wr. Ges., 1929; Kosch; I. Donner, Das Feuilleton des „Neuen Wiener Tagblattes“ zwischen den beiden Weltkriegen, phil. Diss. Wien, 1951, S. 139ff., 177, 206ff. (mit unvollständigem Feuilletonverzeichnis); UA Wien; Mitt. Gemeindeamt Belvès, Frankreich.
(M.Grill)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 47, 1991), S. 102
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