Schiedermayr, Johann Bapt. d. Ä. (1779-1840), Komponist und Organist

Schiedermayr Johann Bapt. d. Ä., Komponist und Organist. * Pfaffenmünster, Bayern (Deutschland), 23. 6. 1779; † Linz, 6. 1. 1840. Vater der beiden Folgenden; erhielt frühzeitig Gesangsunterricht, ab 1788 Sängerknabe im Prämonstratenser Chorherrenstift Windberg (Bayern). Seine schul. und musikal. Ausbildung vervollständigte er ab 1791 im Benediktinerstift Oberaltaich, ab 1793 am kurfürstlichen Stud.Seminar in Straubing – in diese Zeit fallen auch seine ersten Kirchenkompositionen. S. verließ Straubing noch vor Abschluß seiner Stud. und bemühte sich ab 1796, als Musiker Fuß zu fassen. Er war im Augustiner Chorherrenstift St. Nikola (heute Passau) als Bassist und Organist, in Passau bei größeren Musikauff. tätig. Ab 1804 in Linz, wurde er von Kapell- und Turnermeister Glöggl (s. d.) bei Auff. in der Kirche, im Landestheater und bei der Bürgergardemusik, deren Dienstreglement sie gem. verfaßten, verwendet. S. erhielt 1810 als definitiver Organist die beiden erstmals vereinigten Stellen für Domkirche und Stadt-Pfarrkirche in Linz. Die neugegründete Ges. der Musikfreunde in Linz übertrug ihm 1821 das Ehrenamt eines „Leiters am Klavier“ und 1823 den Gesangsunterricht. Ab 1812 wirkte S. – mit Unterbrechungen – auch als Kapellmeister am Landestheater, als Dirigent der Ballmusik im Redoutensaal und ab 1839, nach dem Tod von Glöggl, als provisor. Dom- und Stadtpfarrkapellmeister mit nachhaltigem Erfolg für das Linzer Musikleben. In seinen zu seiner Zeit in Österr. und Süddeutschland weitverbreiteten kirchenmusikal. Werken bemühte er sich bes. um die sog. Landmesse, die durch kleine Besetzung, einfache Stimmführung und volksnahe Ausdrucksweise charakterisiert ist. S.s Kirchenmusik wurde später vom Caecilianismus vollständig abgelehnt (1887 Verbot für die Diözese Linz) und wird gegenwärtig nur noch selten aufgef.

W.: Praeludium für die hl. Weihnachtszeit, in: 6 Pastoralstücke für Orgel, hrsg. von O. Biba ( = Diletto musicale 654), (1973) (mit biograph. Vorwort); Blasmusik; Bühnenwerke; Chöre; Kammermusik; Kantaten; zahlreiche Kirchenmusik aller Art; Sinfonien; Tänze. – Publ.: Neue theoret. und pract. Violinschule . . . Auszug aus der . . . Violin Schule von Mozart, o. J.; Theoret.-pract. Choral-Lehre, o.J.
L.: Linzer Volksbl. vom 20. 11. 1932; Allg. Musikal. Anzeiger 1, 1829, S. 85 ff., 162; Museal-Bl. (Linz) 2, 1840, S. 16 f., 26 f.; Allg. Wr. Musik-Ztg. vom 19. 6. 1841; Linzer Diöcesanbl., 1887, n. 4; Th. Schmid, in: Stimmen aus Maria Laach 49, 1895, S. 276; O. Wessely, in: Die Musik 35, 1942, S. 17; ders., in: Jb. der Stadt Linz 1953, 1954, passim; ders., ebenda 1954, 1955, S. 210ff., 216ff.; H. Wimmer, in: Oberösterr. Heimatbll. 13, 1959, s. Reg.; A. Scharnagl, in: Straubinger Kal. 1979, S. 76ff.; F. Feichtinger, in:Oberösterr. Heimatbll. 43, 1989, S. 217f.; Eitner; Fétis (s. S. Joseph Bernard); Kosch, Theaterlex.; Krackowizer; LThK, 1. Aufl.; Mendel-Reissmann (s. S. Joseph Bernhard); MGG; Schilling (s. S. Joseph Bernhard); Wurzbach; H. Börnstein, 75 Jahre in der Alten und Neuen Welt 1, 1881, S. 223f.; K. Weinmann, Geschichte der Kirchenmusik . . ., 2. Aufl. 1913, S. 245; A. Keller, Musikgeschichte des Stiftes Kremsmünster, 1956, s. Reg.; Geschichte der kath. Kirchenmusik, hrsg. von K.G. Fellerer, 2, 1976, s. Reg.; Mitt. G. Wacha, Linz.
(F. Zamazal)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 47, 1991), S. 111f.
<=  S. 1 =>
<=  S. 1 =>