Schiedermayr, Johann Bapt. d. J. (1807-1878), Seelsorger

Schiedermayr Johann Bapt. d. J., Seelsorger. * Linz, 6. 6. 1807; † Linz, 16. 4. 1878. Sohn des Vorigen, Bruder des Folgenden; kam nach der Priesterweihe (1830) zur weiteren Ausbildung an das Frintaneum in Wien. 1834/35 wirkte er in Linz als Chorvikar; 1835 Dr. theol. 1836–40 war er Vizedir. des Linzer Priesterseminars. 1840 berief ihn K. Ferdinand I. (s. d.) als Hofkaplan und Spiritualdir. des Frintaneums nach Wien. 1844 wurde S. Mitgl. des Domkapitels und Dir. des bischöflichen Priesterseminars in Linz. 1848 gab er den entscheidenden Impuls zur Gründung des Linzer Katholikenver., dessen Gründungsversmlg. er leitete und dem Vertreter sämtlicher Bevölkerungsschichten angehörten. 1848 initiierte er auch die Gründung der bald sehr angesehenen „Theologisch-praktischen Quartalschrift“ und wurde deren erster Red. Daneben engagierte er sich im sozialen Bereich und war maßgeblich an der Errichtung des Kath. Waisenhauses des Vinzenzver. in Linz beteiligt. 1845–53 und 1865–74 wirkte S. als Regens des Priesterseminars. 1853 wurde er Administrator der Linzer Stadtpfarre, 1859/60 Pfarrprovisor, 1860 Domdechant und Schuldistriktsaufseher im Stadt- und Landdekanat Linz, 1865 päpstlicher Kämmerer, 1874 Dompropst. S. war engster Mitarbeiter Bischof Rudigiers (s. d.), vor allem bei der Planung des Neuen Doms in Linz. Er gehörte auch zu den Gründern des Kath. Casinos, welches in der Affäre um die Beschlagnahme des Rudigier-Hirtenbriefes von 1868 über die antikirchlichen Maigesetze als Gegenaktion der Katholiken ins Leben gerufen wurde. S. ist mit dem Erwachen und Erstarken des kath. Bewußtseins in OÖ auf das engste verbunden. Er stand am Anfang und an der Spitze fast aller maßgeblichen kath. Organisationen dieser überwiegend vom Liberalismus bestimmten Zeit.

W.: Abhh. in Theolog.-prakt. Quartalschrift; usw. Red. und Hrsg.: Theolog.-prakt. Quartalschrift 1–2, 1848–49.
L.: Linzer Volksbl. vom 18. und 19. 4. 1878 und 26. 9. 1885; J. Oberhumer, in: Theolog.-prakt. Quartalschrift 100, 1952, S. 8 ff.; F. Feichtinger, in: Oberösterr. Heimatbll. 43, 1989, S. 218, 229 ff.; Krackowizer; L. Guppenberger, Bibliographie des Clerus der Diöcese Linz . . . 1785–1893, 1893; F.Pesendorfer, Das Domkapitel in Linz, 1929, s. Reg., bes. S. 66 f.; H. Slapnicka, Christlichsoziale in OÖ ( = Beitrr. zur Zeitgeschichte OÖ 10), 1984, S. 10 f., 405 f.; ders., in: Die Bischöfe von Linz, hrsg. von R. Zinnhobler, 1985, S. 106, 112, 122 f.; P. Gradauer, in: Recht im Dienste des Menschen, hrsg. von K. Lüdicke u.a., 1986, S. 113; Bischof F. J. Rudigier und seine Zeit, hrsg. von R. Zinnhobler u. a., 1987, s. Reg.
(H. Slapnicka)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 47, 1991), S. 112
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