Schiff, Josef (1848-1912), Stenograph

Schiff Josef, Stenograph. Geb. Ragendorf (Rajka, Ungarn), 25. 2. 1848; gest. Wien, 5. 10. 1912. Entstammte einer alten Rabb.Familie; besuchte 1860–65 das Gymn. in Preßburg (Bratislava), 1865–69 in Wien, absolv. dort 1869 den Reifeprüfungsergänzungskurs an der Höheren Handelslehranstalt in Wien und begann 1870 das Jusstud. an der dortigen Univ., brach dieses aber schon nach zwei Semestern aus finanziellen Gründen ab und war in der Folge als Stenograph tätig. 1872/73 im Bankhaus Springer im komptorist.-stenograph. Bereich beschäftigt, entfaltete er ab 1874 eine umfangreiche Lehrtätigkeit, so wurde er 1874 Stenographielehrer im Wr. Kaufmänn. Ver. und an einigen Handelslehranstalten und Mittelschulen, hielt Kurse im Ver. für die Beamten der österr. Eisenbahnen sowie ein Jahrzehnt hindurch für die Sicherheitswache in Wien, unterrichtete aber im Rahmen von Ferialkursen u. a. auch in Mödling (NÖ), Bad Ischl (OÖ) und Preßburg. 1875–94 lehrte er im österr. Zentralver. der Gabelsberger Stenographen und wirkte dort auch als Bibliothekar. Er wurde Lektor an drei Hochschulen, 1898 an der Univ. und an der Hochschule für Bodenkultur, 1905 an der Techn. Hochschule in Wien. Angeregt durch seine Tätigkeit für den Wr. Kaufmänn. Ver., publ. er 1880 ein speziell auf die kaufmänn. Berufspraxis ausgerichtetes stenograph. Hdb., das erste seiner Art und fand damit viel Beachtung. Mit seinen übrigen zahlreichen Veröff. schuf er ebenfalls grundlegende, teils oftmals aufgelegte Fachbehelfe und entwickelte neue Schreibweisen, von denen 50 im Rahmen der die Reformverhh. zum System Gabelsberger 1895 abschließenden Wr. Beschlüsse offizielle Anerkennung und Aufnahme in das System fanden. S., 1883 Gründer des Zentralver. für Gabelsbergersche Geschäftsstenographie und ab 1897 beeideter Sachverständiger für Stenographie beim Landesgericht in Wien, wurde mehrfach ausgezeichnet, u. a. 1900 Prof. Er trug wesentlich zur Entwicklung und Verbreitung der Gabelsberger Stenographie bei.

W.: Pract. Lehrgang der stenograph. Correspondenzschrift nach Gabelsberger’s System, 1877, 13. Aufl.: Theoret.-prakt. Lehrgang der Stenographie nach Gabelsbergers System, 2 Tle., 1912; Kat. der Bibl. des Gabelsberger Stenographen-Central-Ver., 1880; Der Geschäfts-Stenograph. Hdb. zur prakt. Ausbildung . . ., 1880, 7. Aufl., 2 Abt., 1909; Stenograph.Übungsbuch (System Gabelsberger), 1884, 7. Aufl. 1908; Sigel und Vereinfachungen der Stenograph. Correspondenzschrift, 1885, 46. Aufl. 1920; Kammersigel der Gabelsberger’schen Stenographie . . ., 1886, 5. Aufl. 1912; Stenograph. (Taschen) wörterbuch, 1888, Neuaufl. 1908; Dictierbuch für Stenographen aller dt. Systeme, 2 Tle., 1891–92; mehrfach aufgelegtes Stenograph. Lesebuch für verschiedene Schultypen; usw.
L.: Korrespondenzbl. der Gabelsberger–Stenographen, 1912, S. 322; Stenograph. Bll. aus Österr. 5, 1912, S. 119; Jew. Enc.; Kosel 1; Wininger (s. unter Schiff Moses); E. Krumbein, Entwicklungsgeschichte der Schule Gabelsberger’s ( = Reuter’s Bibl. für Gabelsberger-Stenographen 130), 1901, S. 277f.; K. Heck, Geschichte der Schule Gabelsberger 2, 1902, S. 30f. (mit Bild); Deutschlands, Österr.-Ungarns und der Schweiz Gelehrte, Künstler und Schriftsteller in Wort und Bild, 3. Ausg. 1911; Männer der Kurzschrift, bearb. von R. Bonnet, 1935.
(L. Swossil)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 47, 1991), S. 122
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