Schiffner, Franz (1855-1920), Lehrer, Mathematiker und Photograph

Schiffner Franz, Schulmann, Mathematiker und Photograph. * Klein-Bocken (Malá Bukovina, Böhmen), 19. 10. 1855; † ebenda, 8. 5. 1920. Sohn eines Grundbesitzers; stud. ab 1873 an der Allg. Abt. der Techn. Hochschule in Wien, bes. Mathematik und Darstellende Geometrie, und hörte auch an der Univ., 1878 Lehramtsprüfung. Ab 1875 als Einjährig-Freiwilliger im Militärdienst, wurde er 1877 Lt. i.d. Res. und nahm 1878 am Okkupationsfeldzug in Bosnien und der Herzegowina teil. Anschließend trat er 1879 in den Schuldienst und wirkte in der Folge als Supplent an der Marineunterrealschule in Pola (Pula), 1879/80 sowie 1881/82 an der Oberrealschule in Böhm. Leipa (Česká Lipa), 1880/81 an der Militärunterrealschule in Eisenstadt, 1882–84 als provisor., dann bis 1892 als definitiver Prof. an der Marineunterrealschule in Pola, ab 1892 an der Staatsoberrealschule in Wien III. und wurde 1903 erster Dir. der 2. Staatsoberrealschule in Wien II. S., ein ausgezeichneter Pädagoge, faßte z. Tl. mehrmals aufgelegte Lehrbücher und Aufgabensmlgg. für Mathematik ab, schuf aber auch Unterrichtsbehelfe für Physik und Chemie. Durch Marineoff, wurde in Pola sein Interesse auf die Photogrammetrie gelenkt; er entwickelte für diese neue Methoden, suchte bes. deren Wert für die Marine aufzuzeigen und propagierte sie in Vorträgen sowie bei seinen Schülern, zu denen in Pola Th. Scheimpflug (s. d.), der spätere Begründer der Aerophotogrammetrie, gehörte. 1907 zählte er zu den Mitbegründern der Photogrammetr. Ges., als deren Obmannstellvertreter er ab 1908 fungierte. In Wien befaßte er sich allerdings mehr mit Photographie, arbeitete für Fachz. und hielt zahlreiche Vorträge im Wr. Camera-Club, dessen Publ.Organ er ab 1898 zu einer angesehenen Fachz. ausgestaltete. Ab 1916 Vizepräs. des Reichsbundes der patriot. Jugendorganisationen Österr., widmete er sich nach dem Ersten Weltkrieg der Aktion „Kinder nach Dänemark“. Er wurde mehrfach ausgezeichnet und 1910 Reg.Rat. S. galt als Autorität im Realschulwesen, trug daneben jedoch auch zur Entwicklung und Verbreitung von Photogrammetrie und Photographie bei.

W.: Die photograph. Meßkunst oder Photogrammetrie, Bildmeßkunst, Photographie, 1892; Grundzüge der photograph. Perspective ( = Lechner’s photograph. Bibl. 2), 1893; Die militär. Vorbereitung der Jugend, 3 Tle. ( = „Schaffende Arbeit und Kunst in der Schule“ 43, 70, 77), 1915–17; Abhh. in Z., u. a. in Mitt. auf dem Gebiete des Seewesens, Monatshe. für Mathematik und Physik, Z. für das Realschulwesen; Lehrbücher für Mathematik, Physik und Chemie; Aufgabensmlg.; zahlreiche Beitrr. für Wr. Ztg. usw. Mitred.: Photograph. Centralbl., 1899 ff.; usw. Hrsg. und Red.: Mitt. des Reichsbundes der patriot. Jugendorganisationen Österr. 3, n. 4 ff., 1916 ff. (ab 1918; Jugend-Reichsbund in Dt. Österr. Mitt. der Bundesleitung). Red.: Wr. photograph. Bll. 1 ff., (1898) ff.
L.: N. Fr. Pr. vom 18. 10. 1915 und 11. 5. 1920; RP und Wr. Ztg. vom 19. 10. 1915 und 11. 5. 1920; E. Doležal, in: Internationales Archiv für Phologrammetrie 6, 1923, S. 10ff. (mit tw. Werksverzeichnis); Kosel 1; Poggendorff 4–5; Geschichte der Fotografie in Österr. 2, hrsg. von O. Hochreiter und T. Starl, 1983, s. Reg., bes. 175f. (Kat.); KA, Allg. Verw.Α., beide Wien.
(F. Hillbrand-Grill)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 47, 1991), S. 126
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